Luberon: leichter Sommerwein aus der Côtes du Luberon

Aus der Sicht von Aix en Provence und Avignon erscheint der Gebirgsstreifen des Luberon als eine – wie in Deutschland der Westerwald, auf dem der Wind so kalt weht – eher wilde und wenig kultivierte Gegend, die zudem sehr oft von dem kalten und scharfen Mistral heimgesucht wird. Aus diesem Grund werden wahrscheinlich die Weine der Cotes du Luberon (neuerdings einfach „Luberon“ genannt) nicht so wertgeschätzt, wie sie sie es eigentlich verdienen.

Weine aus der Cote du Luberon: wir brechen eine Lanze für einen Wein, der es wirklich verdient hat

Weinrallye #86 - Der Sommer wird rot!

Weinrallye #86 – Der Sommer wird rot!

Der Wein-Papst Hugh Johnson versteigt sich sogar zu den Wendung, dass die Luberon-Weine „bei Touristen und Neureichen beliebt“ seien. Die Einschätzung von Johnson geht wahrscheinlich darauf zurück, dass der Luberon gleichzeitig gern wegen seines Lavendel-Anbaus aufgesucht wird und eine „Lavendel-Straße“ – beginnend in Cavaillon über Pertuis entlang des Durance-Tals nach Sault und Digne führt. Es zeigt sich in dem kalkhaltigen Luberon-Gestein insofern nicht die typische Wein-Monostruktur in den berühmten Regionen; auch unübersehbar weite Wein-Felder wird man nicht zu Gesicht bekommen, sondern eher kleine Parzellen, auf denen insgesamt nicht viel mehr als 4000 ha Rebfläche bestockt sind.

Schließlich ist das Weinanbaugebiet noch relativ jung. Erst 1988 wurde eine eigene Appellation (Herkunftsbezeichnung) geschaffen. Die Appellation bezieht sich auf Weine mit kalkhaltigen Boden. Weine aus anderen Böden müssen als „Cotes du Rhone“ in den Verkehr gebracht werden. Zu sagen ist auch, dass die späte Verleihung der eigenen Appellation lediglich der eher geringen ökonomischen Bedeutung – wegen des nicht besonders großen Flächenanteils – geschuldet ist.

Zwar sind mit Grenache Noir, Syrah, Carignan, Mourvedre und Cinsaut die bekannten Rhone-Rebsorten vertreten, allerdings besteht eine regionale Besonderheit, indem auch die Beaujolais-Sorte Gamay traditionell angebaut wird. Indem entsprechend französischen Gepflogenheiten gerne verschnitten wird, ergeben sich unter Verwendung auch der Gamay-Traube interessante Weine, die vom Typus der Rhone-Weine sich sehr deutlich abheben.

Und in noch einem Zusammenhang ergeben sich Unterschiede zur Rhone: Entsprechend der vollen Sonneneinstrahlung, aber der kühleren Temperaturen, weil höheren Lagen, sind die Luberons durchweg ein wenig leichter und fruchtiger als die Weine der Rhone.

Inzwischen haben die Luberon-Weine auch international Geltung erworben. So wurden zahlreiche internationale Preise und Auszeichnungen verliehen: Allein 2015 bei der „Wine & Spirits“, „Concours General Agricoles“, „Vinalies International“. Auch Jancis Robinson spricht sich für den Luberon aus, wie Johnson sich für einige Weingüter des Luberon stark macht: Cellier de Marrenon und La Vielle Ferme u.a.

Die zum Teil überschwänglichen Charakterisierungen für den Luberon heben vor allem auf seine Fruchtigkeit ab. Mit in der Regel nicht mehr als 13,5 Volumenprozent ist der Luberon auch weniger alkoholreich als vergleichbare Rhone-Weine – und damit eignet er sich hervorragend als Rotwein für sommerliche Tage.

Jacques Weindepot: Marrenon Rouge 2013 (AOC/AOP) aus La Tour d’Aigques

Auch hinsichtlich ihres Preises sind die Luberons äußerst attraktiv. So bietet das Jacques Weindepot einen „Marrenon Rouge 2013“ (AOC/AOP) aus La Tour d’Aigques für fast unschlagbare 4,50 € an. Freilich sind die Qualitätsspitzen zu diesen Preisen nicht zu finden, da muss leider man auch inzwischen für bis zum Zehnfachen anlegen. Diese Steigerung kann man auf allen Luxus bei Vinifizierung einschließlich Eichenfassausbau wohl kaum zurückführen. Die Winzer lernen eben – wie anderswo auch – sehr schnell, und das manchmal knappe Angebot wird natürlich als Preisregulator genutzt. Trotzdem sind im Luberon durchaus noch Schnäppchen zu machen, besonders bei Winzern, die ihre Weine selbst vermarkten.


Weinrallye #86 – Der Sommer wird rot!

Der Sommer wird rot – so hat man es bereits erkannt und wir schließen uns dieser Erkenntnis an. Unser Beitrag „Luberon“ soll unser Scherflein für die Weinrallye #86 sein, die in diesem Monat von 180° als Gastgeber ausgerichtet wird.

Herzliche Grüße in die Runde von edelste-weine.de,

Euer Marius !


Bildnachweis: © morguefile.com – GaborfromHungary

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg und arbeitete seitdem für verschiedene Medien. Sein Markenzeichen sind seine fränkische Frohnatur, sein Faible für die irdischen Genüsse und seine Liebe zur Technik. Beilhammer schrieb schon früh für technische Fachmagazine und ist seitdem als Freier Autor tätig.

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