Weinrallye #83: Don Camillos Rückkehr

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Herzlich willkommen, ihr Lieben! Es ist soweit, wir bitten um eure Beiträge zur Weinrallye #83. (Hier stehen die Details dazu…)

Damit ihr euch etwas einstimmen könnt, hier unser eigenes Elaborat, das euch einen alten Bekannten vorstellt, der sich dem einen oder anderen nicht unbekannt sein wird: „Don Camillo und Peppone“.

Don Camillo und Peppone

Von den „Don Camillo und Peppone-Filmen“ hätte man an und für sich eine reiche „Weinausbeute“ erwarten können: wachsen denn nicht in allen 20 italienischen Provinzen hervorragende Weine, nennt man Italien nicht auch „Oinotria tellus“, das Land des Weines? Leider muss man zu den Guareschi-Filmen praktisch „Fehlanzeige“ melden. Wasser und Rizinusöl scheinen eine wichtigere Rolle zu spielen.

Die Schwerpunktsetzung ohne Wein lenkt die Gedanken auf den Umstand, dass die Kleriker – sonst unter Generalverdacht des weinseligen Lebens stehend – völlig ausgenommen werden sollten von jeglicher Bezugnahme auf den Wein. Offenbar war die Annahme, dass geistliche Herren gerne dem Weingenuss oblägen, weil die zölibatäre Lebensweise – neben gutem Essen – zur streckenweise lasterhaften Bevorzugung des Weins förmlich gezwungen hätten, auch in Italien verbreitet – und sie war natürlich schon damals politisch nicht korrekt.

Ein katholischer Priester darf brutal gewalttätig sein, prügeln und schießen, lügen und betrügen – wenn es gegen Kommunisten geht – aber Wein trinken, selbst im Maßen, das darf er offenbar nicht. Da muss denn der sonst so geweckte und flinke Priester in der Episode „Don Camillos Rückkehr“ den Trottel spielen, weil er körperlich nicht in der Lage ist, die ihm geschenkweise verehrte Chianti-Flasche neben seinem Utensilien-Koffer für liturgische Geräte, einem Parmaschinken, einem Konfekt-Paket und einem leeren Vogelkäfig anzunehmen. Die – wie es damals tatsächlich war – in einem Bast-Flechtkorb gelagerte Chianti-Flasche kam ihm nach der Bahnfahrt als erstes Teil abhanden.

Man könnte sein Eingeständnis, dass am Ort seines Exils kein Wein wächst, weil das Klima zu kalt ist, als eine Form des Bedauerns interpretieren. Sicher ist dies aber nicht. Ganz sicher ist, dass anlässlich seines Besuches bei Bürgermeister Peppone, ihm von diesen ein Glas Rotwein gereicht wird – er diesen Wein aber – ohne weitere Kommentierung – nicht anrührt.

Es ist ein wenig verwunderlich, wie auch die Weinstöcke in Brescello – tatsächlich gibt es dieses Dörfchen in der Poebene nebst einem Museum über die beiden Protagonisten – abhandelt werden. Sie haben offenbar nur Bedeutung mit Blick auf eine notwendige Deichbaumaßnahme. Nur der Landwirt, offenbar ein Nebenerwerbswinzer, hatte Interesse an ihnen.

Es ist zwar richtig, dass die Poebene eher für ihren Weizen als für ihren Wein bekannt ist, trotzdem spielt die Geschichte in einem ausgewiesenen Weinanbaugebiet, denn die Emilia-Romagna ist mit 840 000 ha kein gerade kleines Weinbaugebiet. Die Chianti-Flasche von anno dazumal gehört zwar nicht in die Region; die Toskana liegt deutlich südlicher. Aber zwischen Bologna, Parma und Piacenza befinden sich einige Weinbaugebiete von Bedeutung und mit DOCG-Status: Albana di Romagna, Bosco Eliceo, Cagnina di Romagna, Colli Bolognesi, Colli di Parma, Colli Piacentesi, Lambrusco Reggiano, Lambrusco Salamino, Lambrusco di Sorbara, Gutturnio Colli Piacentini usw.

Obwohl es sich bei den Sorten der Emilia-Romagna zumeist um ausgewiesene Qualitätssorten von Weinen mit ausgesprochenem Charakter handelt, sind diese Sorten doch keineswegs so populär wie die Weine aus der Toskana – zu Unrecht. Die Don Camillo-und-Peppone-Filme sind an der Popularität der toskanischen Weine aller Wahrscheinlichkeit nach unschuldig – da nur eine einzige und dazu noch verlorengegangene Flasche einen filmischen Hinweis boten.

Dabei ist der Chianti nicht mehr der Wein, der er zu Don Camillos Zeiten war. Noch in den 50-er, ja bis in die 60er traf man Chiantis an, denen traditionell auch Weissweine beigemischt waren – (der Massenträger) Trebbiano und Malvasia – und die deshalb die typische hellrote Färbung aufwiesen. Schon damals hatten sie einen Vermarktungsvorteil gegenüber den Weinen der Emilia Romagna, weil in der Toskana die größten Erzeuger beheimatet waren und der „Bauernwein“ seine Exporteure fand.
Die Chianti-Revolution – durch den Verschnitt mit den französischen Rebsorten Cabernet Sauvignon und Merlot – war bereits damals mehr Marketing-Überlegungen geschuldet (höhere Erlöse mit den Erfolgssorten des Bordelais) als dem allgemeinen Weingeschmack der Bevölkerung, die den hellroten wohlschmeckenden Wein auch gerne noch länger getrunken hätte.

Heute wird annähernd der gleiche Anteil an Cabernet Sauvignon und Merlot verschnitten wie in der Emilia Romagna auch, aber nicht mit dem gleichen ökonomischen Erfolg. Die Weine der Emilia Romagna sind in aller Regel deutlich preiswerter als die toskanischen; es lohnt sich durchaus eine Probe auf die „Schnäppchen“ zu machen.


Und nun?

Haben euch meine Ausführungen zu Don Camillo und Peppone auf wein- und wortträchtige Gedanken gebracht? Dann schreibt eure Story zu Wein in Film & TV auf eurem Blog darnieder. Den Link zu eurem Beitrag postet ihr hier bitte als Kommentar. Vergesst auch nicht den Link unter eurem Blogpost zu diesem, unserem Post allhier. Wir werden umgehend Einsicht nehmen und der Welt hier einen kommentierten Hinweis zu eurem Beitrag präsentieren.

Schon jetzt vielen Dank für euren Beitrag und viel Freude beim Verfassen.

Hans-Jürgen Schwarzer

PS:
Wer’s nochmal im Detail nachlesen möchte, wie es geht… hier entlang bitte.

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Bildnachweis: © morguefilecom – danielito

1 Kommentar

  1. Schön dieser Beitrag, der so viele Kindheitserinnerungen wach ruft! Hach, an die Chiantiflasche kann ich mich gar nicht erinnern, liegt wahrscheinlich daran, dass damals mein Focus nicht auf Wein stand.
    Und meinen größten Respekt vor dieser sehr individuellen Zusammenfassung unserer Beiträge!

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