Weinrallye #82: Priorato

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Der Priorato. Mit zwei – für überdurchschnittlich – bis vier – für erstklassig, anspruchsvoll, teuer – Sternen bewertet Hugh Johnson die Weine aus der Priorat, etwa 30 km landeinwärts der Industriestadt mit Strand – Taragona. Die Weine können nur „gut“ sein, nach allem was auch von neutraler Stelle über sie ausgesagt wird. So urteilt das KRÜGER Weinlexikon: „ein körperreicher, gehaltvoller , dabei mit zunehmender Reife feiner und eleganter Rotwein aus Garnacha und Carinena“. Mit Grenache und Carignan sind damit zwei besonders süße Schätzchen an der Weinbereitung beteiligt, so dass man sich über die hohen Alkoholprozente nicht wundern muss. Alkoholreiche Wein sind auch überhaupt nicht das Problem, weil man sich doch in der Trinkmenge beschränken kann. Kritisch gesehen wurden alkoholreiche Weine zumeist infolge mangelnder Säurebasis wegen ihrer Plumpheit und mangelnder Finesse.

Priorato: verheißungsvoller Sohn Kataloniens

Sehr farbintensive Weine aus Grenache Noir und Carignan hatte man auch schon gesehen, ohne gesteigerte Begeisterung, allerdings bieten die Priorat-Weine aus dem heiß-trockenen Katalonien eine besondere Farbqualität. Manche Autoren sprechen hier von einem dunklen Kirschrot, das aber untertrieben erscheint, weil diese Weine erst unter Zugabe von viel Licht ein dunkles Granat entfalten.

Was die geschmacklichen Qualitäten der Priorato-Weine betrifft, findet man mich vollständig auf Seiten von Johnson und Horst Dippels Weinlexikon, die ich als seriöse Quellen schätze. Eine Nachschau bei Wikipedia unterstützte den positiven Eindruck, den man von Priorato haben muss. Soweit die „Theorie“, die unter Umständen sich sehr weit von der „Praxis“ hinwegbewegen kann.

Am Freitag, 23. Jan. 2015, trafen die Problemfläschchen ein. Die Lagerung erfolgte in einem dunklen, mit 10 Grad Celsius temperierten Raum. Die Probe erfolgte am 26. Jan. 2015, zwischen 12.00 und 12.45 Uhr.

  • Probe 1:
    Farbe: dunkles Granat mit braunen Reflexen
    Duft: starke Note von Holz
    Geschmack: extraktreicher Wein, starker Maderisierungston
  • Probe 2:
    Farbe: dunkles Granat mit Kirschrot
    Duft: Medizinalton
    Geschmack: leicht maderisiert, aber mit reichen Tanninen und lebendiger Säure
  • Probe 3:
    Farbe: dunkles Granat mit blauen Reflexen
    Duft: nach Brombeersaft, merkliche Holznote
    Geschmack: lieblich-würzig, leichte Tannin- und Säurenote, Anklänge von Gewürznelken
  • Probe 4:
    Farbe: dunkles Granat mit kirschroten Reflexen
    Duft: Aromen von Pflaumen und Marzipan
    Geschmack: würzig, leichter Medizinalton, ausgewogene Säure, angenehme Tannine
  • Probe 5:
    Farbe: tiefes Granatrot
    Duft: ein Ton von frischem Eichenholz
    Geschmack: leichter Eichenholzton, Maderisierungsstich
  • Probe 6:
    Farbe: dunkelgranat
    Duft: streng herber Duft
    Geschmack: angenehme Säurebalance, Schokoladenflair im Abgang

Priorato: Weinprobe mit Überraschungen

Tatsächlich ist bei aller Subjektivität von Weinproben der Madeira-Charakter von drei der sechs Probenweine nicht abzuleugnen. Diese – allenfalls bei der Zugabe beim Kochen von Fleisch- und Wildgerichten erwünschte – Geschmacksrichtung hat irritiert. Aber auch bei der nochmaligen Kontrolle verblieb es bei den Maderisierungstönen in unterschiedlich starken Ausprägungen.

Dass dies so vom Winzer und Weinhändler gewünscht war, ist kaum vorstellbar. Etwas, das nicht in der Absicht von beiden Beteiligten lag, muss mit den zur Probe bestellten Weinen geschehen sein. Der bei einer Probe festgestellte Medizinalton ist vermutlich eine Geschmacksausprägung, die nicht regelhaft bei Priorato-Weinen hervortritt.
Die unverhoffte Geschmacksbildung könnte evtl. auf die Zwischenabfüllung mit Apotheker-Flaschen zurückzuführen sein. Solche Flaschen werden relativ keimfrei angeliefert, allerdings ist der Luftzutritt zu beachten. Dieser könnte vor allen Dingen bei Weinen, die bereits der Alterungsgrenze sich nähern, von entscheidender Bedeutung sein. Aber auch ein Hitze- oder Lagerschaden kann nicht ausgeschlossen werden.

Wie auch immer – ein Priorat sollte ein „feiner und eleganter“ Wein sein, allerdings ohne Madeira-Ton. Torsten Hammer hat bei den hier angekommenen Weinen wirklich „Pech“ gehabt. Mit Spannung ist zu erwarten, welche Ergebnisse von anderen Teilnehmern gewonnen werden, und die Auflösung des Priorat-Rätsels, denn Jahrgang, Rebsortenkombination, Alkoholgehalt, Preis und Erzeuger blieben anonym.


Ihr Lieben, die ihr den Rebensaft ebenso verehrt. Dies soll unser Beitrag zur Weinrallye #82 des Monats Januar 2015 sein. Diesmaliger Ausrichter ist der Priorat-Guide. Die Seite zur Weinrallye mit allen Beiträgen und der Rahmenstory findet ihr hier.

Erlaubt uns zum Schluss auf den Februar hinzuweisen, in welchem wir höchstselbst die Weinrallye ausrichten dürfen. Hier geht es lang zur Anmelde-Seite der Weinrallye #83.

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Bildnachweis: © morguefile.com – clarita

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