Weinrallye #77: Rosé, solo oder als Essensbegleiter

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Tavel – der Rosé-Klassiker

Dass ein Wein entweder rot oder weiss sein müsse, dass war für gewisse Weintraditionalisten ein ehernes Gesetz. Schon von Bassermann-Jordan wusste dazu, dass man Wein gerne recht lange auf den Rappen stehen ließ, im Interesse der Eindeutigkeit seines Geschmackes. Dass aber Rosé-Weine ganz phantastische Ergebnisse mit Blick auf Aroma und Bukett bieten und praktisch eine eigene, sondere Qualität bilden, hat sich offenbar noch immer nicht richtig herumgesprochen. Nur langsam nahm sein Marktanteil von 2 bis aktuell immerhin 8 % zu.

Die Geschichte des Tavel als „Wein der Könige und dem König Weine“ ist zu abgeschmackt als dass sie noch gefallen könnte, der Tavel hat sie nicht verdient, und wenn mich die Erinnerung nicht trübt, ging es dabei auch um einen Marketing-Spruch über den Tokayer. Richtig ist, dass der Tavel der berühmteste und vermutlich auch älteste Rosé ist. Überliefert ist, dass König Philipp der Schöne (1268-1314) nach dem Genuß eines Bechers Tavel – hoch zu Roß – ausgerufen haben soll, dass es keinen guten Wein außer dem Tavel gäbe. Tatsächlich ist der Tavel schon seit dem Mittelalter bekannt, und wurde z. B. auch von Ludwig XIV gerne zur Tafel verwandt, auch bei den Päpsten in Avignon stand der Tavel hoch im Kurs.

Zwar ist in Jahrhunderten der Tavel in der ein oder anderen Nuancierung angebaut worden, die Stunde des Qualitätsweinbaus für den Tavel schlug allerdings im Jahr 1923, als auf Initiative von Baron Pierre Le Roy de Boiseaumarie eine gerichtliche Festlegung des Anbaugebietes erfolgte. Später erfolgten weitere Festlegungen im Wege des französischen Weinrechts.

Die rund 930 ha in der kleinen Weinbaugemeinde östlich von Avignon, auf dem rechten Rhoneufer gelegen, gehören mit rund 2700 Sonnenscheinstunden zu den klimatisch meist begünstigten Regionen. Die Böden bestehen im Wesentlichen aus Kalk und Kies und Sand. Der Ertrag je Hektar ist auf 35 – 50 ha, je nach Jahrgang, begrenzt.

Die zugelassenen Rebsorten sind Grenache und Cinsaut mit mehr oder weniger starken Zusätzen von Clairette, Bourboulenc, Syrah, Mourvedre, Picpoul und Carignan.

Die Weine zeichnen sich durch ihre teils karmesinrote, bis hellrot und teilweise blassrosa Farbe aus. Auch lachsfarbene Tavels wurden gesehen. Krügers Weinlexikon bescheinigt ihnen „ausgeprägtes Aroma und Bukett“ und findet sie „außerordentlich fein und elegant“. So entschieden die Tavel-Liebhaber sich auch immer geben, tatsächlich herrscht ein Glaubenskrieg vor, ob der Wein jung getrunken werden darf, oder erst nach einem Jahr Lagerzeit. Die Frage ist einfach zu entscheiden: man trinkt ihn jung, und schaut nach einem Jahr nach, was aus ihm geworden ist. Mir persönlich liegen in beiden Fällen überaus positive Ergebnisse vor.

Die Frage, welche Domaine zu den führenden Erzeugern gehört, ist kaum zu beantworten. Lange Zeit war für mich die Domaine Vieux Moulin das Maß aller Dinge, bis ich feststellte, auch andere Winzer stellen überraschende Tavels her.

Einkaufsquellen sind durchaus vorhanden. Einerseits bringt das „Jacques Weindepot“ und das Hanseatische Weinkontor (Hanseatisches Wein- und Sekt-Kontor Hawesko GmbH) regelmäßig Tavels ins Angebot, es bestehen allerdings auch Offerten von Direktvermarktern aus Frankreich. Bei REWE, Edeka, Aldi und Lidl sucht man nach ihm vergebens, bis auf eine bemerkenswerte Ausnahme: Lidl Niederlande und Lidl Großbritannien bieten ihn an. Wohnen dort die besseren Kenner?

Zu welchen Gerichten passt der Tavel?

Für Kenner spricht, dass sie auch wissen, welcher Wein zu welchem Essen am besten harmoniert. Das ist beim Tavel relativ einfach: asiatische Küche und arabische Küche, gegrillter oder gebackener Fisch, Geflügelgerichte, Charcuterie.

Auch als Aperitiv vermag der Tavel durchaus Vergnügen zu bereiten, und so stellte er sich bei der Probe Ende August dar:

  • Farbe: kräftiger Rosé mit Lachsnote, kleine Flecken auf dem Tisch (durch mein zu ungestümes Einschenken)
  • Bukett: Himbeere und Anklänge von Granatäpfeln
  • Geschmack: mit dezenter Fruchtsüße, harmonisch, leichte Note von Schlehen

Der Tavel-Rosé der Domaine Corne-Loup, ein Grand Cru von der Rhone, Jahrgang 2013, wird von wird von Geraldine und Jaques Lafond erzeugt. Der Alkoholgehalt ist mit 14 %, der Restzucker mit 0,8 g/l, die Gesamtsäure mit 5,4 g/l angegeben. Empfohlene Trinktemperatur 10 Grad C.

Rebsorten: Grenache, Syrah, Cinsaut. Im Jaques-Weindepot werden pro Flasche 9,25 € verlangt.

Weinrallye #77: Thema: Rosé, solo oder als Essensbegleiter

Die Weinrallye #77 zum Rosé wird veranstaltet von Annette Sandner vom Food & Foto Blog Culinary Pixel. Liebe Grüße, Annette!

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