Dessertweine: die besten aus Deutschland, Italien, Österreich, Spanien und Frankreich

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Ob sich Dessertweine zu einem bestimmten „Nachtisch“ eignen, ist eine Sache des Ausprobierens und der Erfahrung. Bei der Auswahl eines mehr oder weniger süßen Weins war für mich häufiger ein Problem, dass ich mir einige Weine zu spät darüber Gedanken gemacht hatte. Nach einem Aperitiv und einigen Weinen für Zwischendurch, schwang die Befürchtung mit, so sehr auch die Karte zum Genuss eines Dessert-Wein einlud, die Grenze für unangefochtene Tüchtigkeit im Straßenverkehr zu gefährden. Gerne habe ich deshalb einen süßen Tropfen in die Planung für den Aperitiv mit eingezogen. Bitte folgen Sie meinem Ausflug nach Spanien, Frankreich, Italien und schließlich auch nach Österreich auf der Suche nach guten Dessertweinen.

Vin doux naturel: von Banyuls bis Cadillac

Vor allem die französische Gastromonie – in ihren Süd- oder Süßweingebieten – verführte gerne zu einem Aperitiv. Als Dessertwein – oder Vin doux naturel – wurde häufig angeboten, je nachdem welche Landschaft besucht wurde, ein Baumes de Venise an der Rhone, ein Muscat de Frontignan, ein Rivesaltes, ein Banyuls, oder ein bisschen teurer ein Cadillac oder Sauternes. Hinzurechnen darf man aber auch die dem Elsass stammenden süßen Gewürztraminer, die sowohl als Aperitiv sowie auch zu scharfem Munsterkäse oder Blauschimmelkäse eingesetzt werden.

Dessertwein aus Frankreich: Monbazillac, Baumes de Venise + Muscat de Frontignan

Auch wenn die französischen Dekrete über die kontrollierte Herkunftsbezeichnung der süßen Leckerbissen aus dem 19. und 20. Jahrhundert stammen, so weist doch die Geschichte dieser Weine auf eine viele Jahrhunderte währende Tradition zurück. Vom Monbazilac bis zum Baumes de Venise reicht die Bandbreite. Freilich kannte man die technischen Möglichkeiten der modernen Zeit noch nicht. Es bleibt aber der Eindruck, dass das ursprüngliche Geschmacksideal aller Winzer und Weintrinker am süßen Tropf hing.

Dessertweine Östereich: Alois „Luis“ Kracher

Alois Kracher, Winzer im Burgenland, ist für seine Dessertweine bekannt, denn er gilt als einer der erfolgreichsten Winzer Österreichs. „Luis“ wurde vor allem durch seine edelsüßen Weine bekannt. 1994 wurde er zum „White Wine Maker of the Year“ gekürt; ein Jahr später errang er dreimal den „Grand Prix d’Honneur“, zweimal den „Grand Prix“, gewann das Wine & Spirits Magazine World Championship, erhielt den „Austrian Dessert Wine Champion“ und den „Grand Prix d’Honneur“ für seine Beerenauslese Grande Cuvée 1991. Wer von Alois Kracher Dessertweine kaufen möchte, kann dies noch heute im Online-Handel tun.

Italienischer Dessertwein der Toskana: Vin Santo

Der Vin Santo ist ein klassischer Dessertwein der Toskana und wird aus den toskanischen Rebsorten Malvasia, Trebbiano und Grecchetto als Cuvée-Wein hergestellt. Seinen religiös klingenden Namen erhielt der Dessertwein aus Italien damals, weil seine Kelterung in die Karwoche – italienisch: Settima Santa – fällt. Dessertweine aus Italien steht bei uns Deutschen hoch im Kurs und wird gerne zu Cantuccini, dem Mandelgebäck, genossen.

Spanien: in den Bodegas Ibericas haben Dessertweine Tradition

Auch in Spanien, wo der „Malaga“ ein Synonym für Süßwein geworden ist. Wenn auch in Deutschland zeitweilig etwas aus der Mode gekommen, ist er mit vielen Geschmackstypen wieder auf dem deutschen Markt. Die eingeborenen Spanier haben sich von jeher ein regelmäßiges Gläschen in ihren Bodegas Ibericas vergönnt. Noch weiter südlich gedeiht um die Gegend von Jerez de la Frontera – also Richtung portugiesischer Grenze – der Sherry. Bei diesen Weinen ist ein wenig Vorsicht zu beachten, denn bei einem Fino, Manzanilla, Amontillado oder Oloroso, handelt es sich durchaus um trocken zu nennende Weine, die gelegentlich zur Verfeinerung von Gerichten verwendet werden, während ein Cream oder Pedro Ximenez die ausgesprochen süße Richtung vertritt.

So war es auch beim Portwein, der seinen frühen Erfolg in Portugal der Aufspritung – dem Alkoholzusatz – verdankte. Der Wunsch – oder besser: das Bedürfnis – nach süßen Gewächsen so war riesig, dass in Portugal am oberen Duoratal eine reine Weinexport-Enklave für die Engländer und Deutschen, Russen, Dänen usw. entstand.

Dessertweine in Deutschland: Auslese, Beerenauslese, Trockenbeerenauslese oder Eiswein

So sehr wir die trockenen Weine wegen ihres klaren Buketts und nicht durch süße Töne abgelenkten Geschmacks schätzen: etwas Süßes braucht der Mensch, und die deutschen Winzer konnten nicht in der gewünschten Menge und zu den tolerierten Preisen liefern. Was die deutschen Winzer allerdings an – ausnahmslos – natursüßen Weinen liefern, in den Qualitätsstufen Auslese, Beerenauslese, Trockenbeerenauslese oder Eiswein, ist als Geschmackserlebnis ohne Beispiel.

Leider werden diese Köstlichkeiten viel zu selten genutzt, und das mag etwas mit der Art und Weise deutscher Weinproben zu tun haben, die häufig der Qualitätshierarchie folgen; also von den Kabinettweinen, zur Spätlese, Beerenauslese usw. An eine Beerenauslese oder einen Eiswein wird zuletzt gedacht, und dann ist es vielleicht häufig zu spät, noch an einen Süßwein als Dessert zu denken. Anderseits scheut sich mancher Weinfreund, gleich zu Anfang der Mahlzeit bzw. vor deren Beginn – als Aperitiv – einen Wein aus der absoluten Qualitätsspitze zu auszuwählen.

Honig, Karamell, Orangen, Zitronen, Aprikosen, Pfirsich, getrocknete Früchte, Akazien, die Zahl der Aromen in Bukett und Geschmack ist unübersehbar. Besonders reichhaltig kann das Aroma von Beeren- und Trockenbeerenauslesen ausfallen, da ihnen als zusätzliche Nuance der Botrytiston ( vom ungiftigen Grauschimmel befallene Trauben ) eignet, der im Eiswein fehlt.

In einer Tischgesellschaft – in der auch der Appetit stärker angereizt ist – stehen die Chancen, dass doch noch ein Dessertwein bestellt wird, deutlich besser. Meist habe ich mich dazu entschieden, auf eine Nachspeise zu verzichten, und mit dem Getränk vorlieb zu nehmen, das allein schon eine Fülle von Aromen und Wohlgeschmack bot und damit ein Dessert praktisch ersetzte. Zu Hause, beim größeren festlichen Essen, hat meine Frau einen selbstgebackenen Johannisbeer-Mandelkuchen oder Gewürzkuchen zubereitet, der mit einem Muscat de Beaumes de Venise oder einem edel-süßen Mosel-Riesling oder Rheingauer Riesling, aber auch mit einem Pfälzer Ortega wunderbar harmonierte.

Bei aller Liebe zum trockenen Wein, wir Menschen haben nun einmal die Geschmackspräferenz „süss“, alles Süße gilt uns als angenehme Nahrung. Schon unser Nationaldichter Goethe schätzte den Malaga und ebenfalls wegen seiner Süße den „Kometenjahrgang“ 1811, den „Eilfer“. Einen Dessertwein – ob vorher oder nachher – sollte man sich ruhig öfter einmal gönnen.

Dessertweine: Trinktemperatur beachten!

Hier will ich etwas weiter ausholen und vielleicht einen Vergleich zu anderen weissen und roten Weinen herstellen. Während man einen leichten und frischen Weißwein wie zum Beispiel einen Riesling oder Chardonnay zwischen acht und zehn Grad genießen sollte, wünschen sich fruchtige und volle Weißweine wie der Rivaner oder Roséweine wie ein Spätburgunder Weißherbst schon mal etwa zehn Grad als Trinktemperatur. Der Pinot Noir schließlich gibt sich erst mit einer Trinktemperatur von zwölf Grad zufrieden.

Der Beaujolais – ein junger, frischer und tanninarmer Wein – wünscht sich eine Trinktemperatur von 14 bis 16, während Bordeaux, Cabernet Sauvignon oder Merlot als gehaltvolle Rotweine erst bei 16 bis 18 Grad ihr Bouquet entfalten.

Unsere Dessertweine lieben es etwas wärmer. Hier liegt die ideale Trinktemperatur bei etwa zehn bis zwölf Grad.


Bildnachweis: © Shutterstock – Visionsi

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