Winzerinnen: Weinrallye #87

Über den Anteil von Frauen im Winzerberuf schweigt sich die Statistik aus. Vor einigen Jahren hatte es die Wochenzeitung „Die Zeit“ unternommen, anhand von 200 Spitzenweingütern die von Frauen geführten Betriebe auszuzählen. Man kam auf 13 Damen, also 6,5 %. Der Prozentsatz war also leider noch geringer als bei den häufig abgefragten DAX-Managern. Mit Eva Vollmer aus Mainz-Ebersheim nahm jedoch eine Frau ganz oben auf dem Treppchen Platz. Bereits 2009 verlieh ihr der französische Weinführer „Gault Millau“ internationale Ehren. Ihr seit 2010 ökologisch geführtes Weingut ist auch 2015 obenauf, mit einer Auszeichnung der französischen Weinbewerter für seine Silvaner- und Riesling-Weine.

„Die Zeit“ weiß noch von anderen tollen Frauen im Winzerberuf – aber es bleiben doch verhältnismäßig wenige. Wenn ein Winzer einen Sohn hat, ist es meist nicht schwer zu erraten, wer den Betrieb übernimmt, da kann die Tochter noch so fleißig lernen und arbeiten. Die Chancen für Frauen wachsen mit der Zunahme von Töchtern in Ein-Kind-Ehen, weil der elterliche Betrieb im Familienbesitz bleiben soll. Das sind für Patriarchen immer eher die Söhne, als die Töchter.

Ganz sicher können Frauen im Winzerberuf ebenso viel leisten wie auch Männer. Die große Zahl Frauen in – früher ausgesprochenen – Männerberufen mag ein Beleg dafür sein. Sollte es zutreffen, wie Eva Vollmer behauptet, dass die Frauen einen feineren Weingeschmack haben? Das Motto der ehemaligen Weinkönigin – „unseren Keller verlässt nichts, womit ich nicht zufrieden bin“ – bietet Gelegenheit ihre Geschmackspräferenzen einer Probe zu unterziehen.

In Frankreich ist man mit der Winzerinnen-Emanzipation offenbar bereits ein Stück weiter. In dem kleinen aber feinen Weindörfchen Sainte-Cecile-les-Vignes existiert ein Weingut, in dem allein vier Winzerinnen aktiv sind. Die Rede ist vom „Chateau les Quatre Filles“. Die vier Schwestern/Töchter nehmen freilich unterschiedliche Funktionen in dem Weinbaubetrieb ein, und ehrlicherweise muss man sagen, dass zwei Ehemänner führend tätig sind. Dieses Weingut ist zu Unrecht weniger bekannt, wie auch das Örtchen Saint-Cecile zu Unrecht nur als „Cotes-du-Rhone-Villages“-Gemeinde ausgewiesen ist.

Ganz hervorragende Rot- und Rosé-Weine werden dort hergestellt. Viele Rotweine weisen die für das Bordelais und Chateauneuf-du-Pape bekannten und berühmten Lakritz- und Schokoladen-Aromen aus und kommen für einen Cru-Status in Frage.

In der unmittelbaren Nachbarschaft, in der Grand-Cru-Gemeinde Vacqueyras, ist eine aber eine unzweifelhaft waschechte Winzerin sehr erfolgreich, zumal wenn man bedenkt, welche Vielzahl von nationalen und internationalen Auszeichnungen sie abräumt. Vater Roger Combe firmiert zwar noch als Chef der Domaine „La Fourmone“, allerdings ist die führende Tätigkeit längst an die Tochter Marie-Therese übergegangen.

Marie-Therese ist außerdem Mitglied in der Vereinigung „femmes – vignes – rhone“, in der sich 30 Winzerinnen allein im Weinbaugebiet „Rhone“ zusammengeschlossen haben. Der Verein besteht seit 2004 und hat keine unmittelbaren Verkaufsinteressen. Gegenseitige Hilfe und fröhliches Zusammensein steht auf dem Programm. In Punkto Hilfe erfolgt natürlich Zusammenarbeit mit Blick auf Verbesserung von Verkostungstechniken und die Steigerung des Verständnisses für Rhone-Weine etc. Natürlich hat der Verein eine eigene Internetadresse: www.femmesvignesrhone.com. Der Anteil von Frauen im Winzerberuf wird somit auch bei den rund 7000 Weinbaubetrieben an Rhone nicht feststellbar sein.

Auch „Vinissima“ – das internationale Frauen-Netzwerk mit Standorten in Frankreich, Italien, der Schweiz, Spanien, Ungarn und Griechenland – bietet keinen Aufschluss über die Zahl der Winzerinnen, denn in diesen Vereinigung sind, wiewohl mitgliederstark, Frauen vertreten, die nicht nur als Winzerinnen arbeiten, sondern etwa als Sommelieren, Önologinnen, Weinhändlerinnen, Gastronominnen, Journalistinnen, Marketingspezialistinnen usw.

Als Fazit lässt sich trotzdem feststellen: die Emanzipation hat auch den Wein erreicht. Das ist gut für die Frauen – und gut für den Wein.

Ihr Lieben, dies ist unser Beitrag zur Weinrallye #87 und wir freuen uns, auch dieses Mal wieder einen Beitrag leisten zu dürfen. Bitte klickt euch rüber und lest auch die anderen feinen Beiträge der Weinrallye.

Das Thema rührt ein wenig an den Grundfesten des Althergebrachten. Aber es ist eine Burg, welche auf dieser Welt keinen Platz mehr hat. Nicht wirklich. Darum soll dieser Beitrag auch dazu beitragen, diese alte und überkommene Burg niederzureißen und den so entstehenden Raum mit Freiheit zu erfüllen. Freiheit, welche die Frauen in unserem Land, die sich zum Winzerberuf hingezogen fühlen, ermutigen soll, den Schritt in diese bisherige Männerdomäne zu wagen. Wir jedenfalls freuen uns auf den kräftigen Spritzer Leben, Kreativität und Humor, der damit dem Winzerhandwerk zuteil werden wird.


Bildnachweis: © morguefile.com – HenriqBastos

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg und arbeitete seitdem für verschiedene Medien. Sein Markenzeichen sind seine fränkische Frohnatur, sein Faible für die irdischen Genüsse und seine Liebe zur Technik. Beilhammer schrieb schon früh für technische Fachmagazine und ist seitdem als Freier Autor tätig.

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