Wein richtig servieren

Das richtige Servieren von edlem Wein ist eine Kunst, die aber auch von Laien schnell gelernt werden kann, wenn ein paar einfache Regeln befolgt werden. Für die Hektischen unter uns: Rotwein sollte vor dem Servieren eine Stunde lang offen stehen, um sein Aroma zu entfalten. Also bitte schon bereitstellen, bevor man vor die Gäste tritt.

Entkorken: Riechen nicht vergessen

Vorsicht ist beim Entkorken geboten; Profitrick: hier am besten zu einem Korkenzieher mit „Seele“ greifen, die in der Mitte der Wendel noch einen Freiraum haben. So wird verhindert, dass Korkenkrümel in der Flasche landen. Profis riechen nach dem Öffnen der Flasche am Korken, denn die Qualität des Weins lässt sich schon daran ausmachen, ob der Korken fehlerhaft ist und sehr intensiv riecht, oder aber ob er einen angenehmen, zurückhaltenden Duft verbreitet. Also dann: geben Sie den Weinkenner und schnüffeln Sie kurz am Kork. Danach nicken Sie bitteschön wie der Kenner genüsslich und selbstzufrieden. Ein kurzer Blick in die Runde signalisiert „Gut, dass ihr mich habt.“.

Eingießen: mit viel Gefühl!

Der Moment des Eingießens ist wohl der Wichtigste beim Servieren, der natürlich möglichst elegant und nicht hilflos wirken sollte. Man sollte den Wein nicht schwallartig schütten, sondern langsam von oben in das Glas gießen. Und bitte schön, meine Herren… die Damen lieben es, wenn das Eingießen ein wenig zelebriert wird. Schauen Sie Ihrer Angebeteten für mindestens drei Sekunden tief in die Augen und sagen Sie sich innerlich „Nur für Dich, mein Schatz!“ – Sie spürt es… und braucht es…

Der Gastgeber oder die Gastgeberin schenkt sich zunächst selbst einen Schluck ein, um sich der Qualität des edlen Weins zu vergewissern. Danach werden traditionell

  1. die Gläser der weiblichen Gäste, dann
  2. die Gläser der männlichen Gäste befüllt und letztlich
  3. das eigene Glas.

Geübte drehen am Ende des Serviervorgangs den Unterarm leicht zur Seite, damit der letzte Weintropfen am Flaschenhals hängen bleibt und nicht aufs Tischtuch geht.

Vorsicht Falle: die Flasche richtig halten

Doch wie hält man die Flasche überhaupt richtig? Was der geübte Sommelier intuitiv macht, ist für den Laien gar nicht so einfach. Wenn die Flasche voll ist, lässt sie sich am leichtesten in der Mitte des Bauches halten. Das Ausschenken ist so am besten zu kontrollieren. Leert sich die Flasche zunehmend, verlagert sich auch der Schwerpunkt. Auf jeden Fall ein Fauxpax beim Servieren ist, die Flasche am Hals zu umfassen.

Das Etikett sollte stets nach oben zeigen. Und schließlich nicht vergessen: Das Bouquet sammelt sich im Glas, daher genug Luft nach oben zur Entfaltung lassen. Edle Rotweine sollten noch zwei Drittel des Glases Platz haben, um ihr Aroma zu verbreiten.

Oberstes Gebot: stets Ruhe bewahren

Egal was passiert: lassen Sie sich keine Unsicherheit anmerken. Der Weinkenner zeichnet sich mehr durch Theatralik und Selbstbeherrschtheit aus, denn durch Wissen. Wenn ein Tropfen Rotwein neben das Glas geht, rennen Sie also bitte nicht flennend in den Keller sondern schauen ihren Freunden tief in die Augen, stellen eine dumme Frage und fahren fort als ob es nicht anders sein sollte.


Bildnachweis: ©Shutterstock – Titelbild: Robert Kneschke

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg und arbeitete seitdem für verschiedene Medien. Sein Markenzeichen sind seine fränkische Frohnatur, sein Faible für die irdischen Genüsse und seine Liebe zur Technik. Beilhammer schrieb schon früh für technische Fachmagazine und ist seitdem als Freier Autor tätig.

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