Im Winter

Im Winter

Es gibt praktisch keine Jahreszeit in der die Winzer nicht alle Hände voll zu tun haben. Während für Getreide- und Kartoffelbauern im Winter eine Aktivitätspause besteht, haben die Winzer in der winterlichen Jahreszeit durchaus noch Hochkonjunktur. Von den Arbeiten im Keller bemerkt der Vorübergehende oder –fahrende in aller Regel nichts, auch die Lese von Eiswein – in diesem Jahr auf den letzten Drücker – bleibt, weil sie in aller Regel noch während der kalten, frühmorgendlichen Stunden erfolgt, ziemlich im Verborgenen.

Gut sichtbar sind allerdings die Arbeiten in Verbindung mit dem Rebschnitt, durch den sich manche Weinbauern durch das weithin sichtbare Verbrennen der ausgesonderten Reben auf den Feldern verraten. So waren die Rebfeuer während der Rückfahrt von der Oranger Weinmesse (Foire aux Vins d’Orange, neuerdings Concours des Vins a`Orange) ein dauernder Wegbegleiter und Kompass. Freilich sind per se nicht alle Rebsorten geeignet für einen derart frühen Rebschnitt. Vorsichtige Winzer warten damit oft bis zum Nachlassen der schärfsten Fröste, um zu sehen, ob nicht vielleicht der Frost das Seinige zur Verminderung von Knospen und Trieben getan hat.

Oranger Weinmesse (Foire aux Vins d’Orange, neuerdings Concours des Vins a`Orange)

Oranger Weinmesse (Foire aux Vins d’Orange, neuerdings Concours des Vins a`Orange)

Mit Blick auf die Oranger Weinmesse erschienen mir die weithin sichtbaren Rebfeuer als Indiz, dass offenbar die Arbeit im Keller als beendet angesehen wurde. Freilich sollten Ende Januar die Weine völlig geklärt sein und nur noch darauf warten müssen, dass sie den erwünschten Reifegrad aufweisen. In Südfrankreich kommen die ersten Weine des neuen Jahres – abgesehen von den Merkwürdigkeiten des „Beaujolais Nouveau“ und anderer Primeuers – frühestens im April auf den Markt. Zumeist sind dies die rasch „fertigen“ Ros´es.

Gereift können die Weine zum Zeitpunkt der Veranstaltung der Oranger Weinmesse – in diesem Jahr am 6. Februar – keineswegs sein. Der Juror hat im Wesentlichen nur die Chance, etwas über den Alkoholgehalt des Weines und die Säure-Süße-Balance zu erfahren. Über den voraussichtlichen Charakter des Bouquets kann er nur spekulieren. Auch Säure und Süße wie die Textur eines Weines dürften sich in mit einem gewissen Zeitablauf durchaus verändern. Wie genau der Rhone-Wein schmecken wird – in Orange werden nur Rhone-Weine verkostet – kann anlässlich der Oranger Messe noch keineswegs gesagt werden. Trotzdem erfreut sich diese Messe einer ungebrochenen Beliebtheit und es wird scharf beobachtet, welche Weine Gold- oder Silbermedaillen erringen konnten. Der spätere Konsument kann immerhin sicher sein, dass er einen typischen Rhone-Wein ins Glas bekommt – denn wenn ein Winzer einen Fehler begangen hat, wird es wohl keine Medaille geben.

Der frühe Termin der Oranger Weinmesse bietet freilich auch eine Marketing-Chance. In der verhältnismässig nachrichtenarmen Winterzeit wird deutlich der Fokus auf Rhone-Wein und seine Qualitäten gelenkt. Die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft (DLG e.V) nimmt Anmeldungen zu Verkostungen Mitte Februar entgegen und veröffentlicht Ergebnisse im „Spätherbst“. Zu dieser Jahreszeit muss der Wein die öffentliche Aufmerksamkeit mit einer Vielzahl von Ereignissen teilen.

Die Ergebnisse werden zudem bundesweit gebündelt veröffentlicht. Vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Typizität der deutschen Weine, würde eine Einteilung nach Weingebieten bessere Orientierung und konzentriertere Aufmerksamkeit bieten. Per Internet kann zwar zwischen einer Vielzahl von Auswahlkriterien unterschieden werden – die Vielzahl von Differenzierungen trägt allerdings eher zur Unkenntlichkeit bei. Vielleicht sollten auch die Fachjuroren nur für „ihr Weingebiet“ urteilen, weil bei der Vielzahl von über 80 Rebsorten in 13 Weingebieten sich bei „beliebigen“ Juroren sich kaum tiefere Kompetenzen entwickeln können. So wirken etwa bei der Oranger Messe für den relativ überschaubaren Bereich der „Cotes du Rhone“ mehr als 100 Jurys mit mehr als 300 Fachjuroren mit.


Bildnachweis: © Fotolia – Titelbild eliasbilly, #1 Rozol

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Hans-Jürgen Schwarzer (Link Google+) leitet die Online-Agentur schwarzer.de software + internet gmbh. Als Unternehmer und Verleger in Personalunion wie auch als leidenschaftlicher Blogger gehört er zu den Hauptautoren von startup-report.de. Innerhalb seiner breiten Palette an Themen liegen dem Mainzer Lokalpatriot dabei vermeintlich „schräge“ Ideen oder technische Novitäten besonders am Herzen.

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