Auxerrois: Wein aus dem Elsass?

Die aus dem burgundischen stammende Rebsorte wird in den aktuellen Verzeichnissen mit einer Ertragsfläche von ca. 220 ha angegeben. Die angeblich aus dem Elsaß stammende Kreuzung (von Heunisch und Pinot) – die seit 1813 bekannt ist und die dem Weißburgunder ähnelt – legt allerdings eine Herkunft aus dem burgundischen Auxerre nahe.

Recht kryptisch erscheint das Lob der britischen Weinspezialistin (Master of Wine) Jancis Robinson in „Reben – Trauben – Weine“: „Aus unerfindlichen Gründen wird im Elsaß die Identität einer der meist angebauten Reben jedoch verschwiegen. Der Name Auxerrois erscheint selten auf einem Etikett, und doch stelle diese Sorte mehr als die Hälfte dessen dar, was üblicherweise als Pinot Blanc oder Weißburgunder bezeichnet wird. Der Auxerrois gleicht die Kargheit des Pinot Blanc in schlechteren Jahren schön aus, doch wird ihm dafür wenig öffentlich Anerkennung zuteil, obwohl seit 1979 neben dem echten Pinot Blanc vor allem der Auxerrois immer mehr den Silvaner verdrängt.

Jancis Robinson und ihr Irrtum über den Auxerrois-Wein

Offensichtlich befand sich Jancis Robinson im Irrtum über die voraussichtliche Entwicklung der Rebsorte, für die nach der deutschen Rebsortenstatistik 1988 noch 69 ha ausgewiesen waren. Nach französischen Angaben beträgt die Erntemenge des Silvaners im Elsaß mehr als 108000 hl und nimmt einen Anteil an der Gesamtrebfläche im Elsaß von 8,9 % in Anspruch. Hauptrebsorte im Elsaß ist immer noch der Riesling, es folgt der Weißburgunder, der Gewürztraminer und der Pinot Gris – vom Auxerrois spricht niemand im Elsaß. Der Aufstieg der Auxerrois war also nicht von langer Dauer.

Vermutlich hat die Stagnation bei der Auxerrois mit der deutschen Weinwissenschaft und ihren Fachleuten zu tun. Die Wissenschaftler hielten mit ihren Untersuchungsergebnissen über die Rebe nicht hinterm Berg: Wegen der dünnhäutigen Trauben wurde eine Fäulnisanfälligkeit diagnostiziert. Bei später Ernte wird ihr ein Säuremangel nachgesagt. Zwar wirkt positiv das höhere Mostgewicht bei der Auxerrois, aber fast nicht ausgleichbar ist der angegebene geringe Mostertrag von meist nicht mehr als 60 hl pro ha, über den die Sorte selten kommen soll. Im Ergebnis kommt das Taschenbuch der Rebsorten – von namhaften Weinbauexperten verfasst – zu dem schwierigen Ergebnis: „Die geringe Ertragsfähigkeit verleiht der Sorte keinen Anbauwert. Wir haben zur Qualitätsverbesserung Sorten, die mehr leisten.“ Krügers WEINLEXIKON wusste bereits 1989 von der rückläufigen Sortenentwicklung.

Die Probleme der an und für sich sympathischen Rebsorte sind komplex: Die deutschen Önologen wünschen eine Qualitätsverbesserung bei Riesling und Burgunder – die Marketingstrategen schwanken zwischen Verschnittwein, eigener Marke „Auxerrois“ und Vermeidung von übergroßer Sortenvielfalt zugunsten von Konzentration auf die bekannten und gut eingeführten Sorten. Diese Fronten verlaufen auch durch die Winzer-Gemeinden.

Es steht zu befürchten, dass der Knoten um den Auxerrois nicht so bald zum Platzen zu bringen ist. In guten Auxerrois-Jahren müssten alle anderen Weißwein-Ernten wunschgemäß ausgefallen sein, damit die Rebe nicht für Verschnitt-Zwecke benötigt wird. Das ist bei den deutschen Klima- und Wetterverhältnissen nur höchst selten zu erwarten. Welche Folgen der Klimawandel einträgt, ist noch völlig unabsehbar. Bis jetzt müssen unerfreuliche Folgerungen gezogen werden: längerfristige Trockenheit während der Wachstumsperiode und Starkregen mit Bodenerosion. Vermutlich wird der Kolumnist der Die ZeitManfred Klimek – mit der Behauptung „neue Sorten braucht das Land“ – gemeint waren Merlot, Sauvignon blanc, Auxerrois u.a. – früher widerlegt werden als ihm lieb ist.

Klimek ist zu sehr Journalist, der für jede Neuigkeit besonders aufgeschlossen ist, und sei es der Klimawandel. Umgekehrt wird eher ein Schuh draus: „Weniger Sorten und mehr Übersicht“ wären im deutschen Rebsortenzirkus angezeigt. In dem Zusammenhang wäre zu prüfen, in den welchen Gebieten – Baden mit 71 ha, Mosel mit 33 ha, Pfalz mit 69 ha – über einen längeren Zeitraum die besten Ergebnisse mit der Auxerrois erzielt werden und entsprechende Anbauempfehlungen zu geben – wohlgemerkt – nicht für Verschnittweine, sondern für den sortenreinen Ausbau. Dadurch wäre der schwachen Marktsituation der Auxerrois vermutlich am besten aufzuhelfen, denn es werden durchaus erfreuliche und charaktervolle Weine sortenrein angeboten, die leider kaum ihren Markt finden. Weil die Riege der Önologen sich dazu wahrscheinlich nicht hinreißen lässt, wäre eine Interessenvertretung der Auxerrois-Winzer – in Anlehnung an die 2012 gegründete GENERATION PINOT – vielleicht Teil einer möglichen Lösung.

Dies soll unser Beitrag zur Weinrallye #90 sein, die von Julia von Germanabendbrot als Gastgeberin veranstaltet wird. Wer diesem Link folgt, gelangt auch zu den anderen, ebenfalls sehr lesenswerten Beiträgen der Weinrallye #90.


Bildnachweis: © freeimages.com – Samuel Alves Rosa

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg und arbeitete seitdem für verschiedene Medien. Sein Markenzeichen sind seine fränkische Frohnatur, sein Faible für die irdischen Genüsse und seine Liebe zur Technik. Beilhammer schrieb schon früh für technische Fachmagazine und ist seitdem als Freier Autor tätig.

2 Kommentare

Leave A Reply