Spätburgunder trocken 2012, Winzerverein Deidesheim bei Edeka

Die Pfalz ist das zweitgrößte Weinanbaugebiet Deutschlands. Bereits im ersten Jahrhundert nach Christus bauten die Römer in dieser Region Wein an. Heute produzieren etwa 3600 Winzerbetriebe hier bis zu 2,5 Hektoliter Wein. In der Pfalz existieren 22 zugelassene roter Rebsorten. Beim deutschen Rotwein ist der Spätburgunder, auch Pinot Noir genannt, eine der bedeutendsten und nobelsten Rebsorten. Der 1898 gegründete Winzerverein Deidesheim ist nach eigenen Angaben die älteste Winzergenossenschaft in der Pfalz. Der hier vorgestellte trockene Spätburgunder aus dem Jahr 2012 hat von der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz die bronzene Kammerpreismünze erhalten.

Einordnung des 2012er „Spätburgunder trocken“

In den Supermärkten kann man den trockenen Spätburgunder 2012 des Winzervereins Deidesheim für den Preis von 4,29€ kaufen. Er hat eine Restsüße von 4,4 g/l und einen Säuregehalt von 5,2 g/l. Der Alkoholgehalt beträgt 13% vol.

Typisch leichtrote Farbe vollendet mit einem Bukett aus Himbeeren und Erdbeeren

Der erste Eindruck eines Weines wird bei der Degustation immer durch Betrachten und Riechen des Weines gesammelt. Dabei fällt für das ungeschulte Auge im Falle des trockenen Spätburgunders des Winzervereins Deidesheim die schwache rötliche Färbung auf. Das ist allerdings ein grundsätzliches „Problem“ des Spätburgunders. Manchmal behelfen sich Winzer dabei, und mischen im Rahmen der Weingesetze bestimmte Mengen Dornfelder bei, da Dornfelder wenig Eigengeschmack und dafür allerdings eine sehr kräftige Farbe besitzt. Der Winzerverein Deidesheim scheint sich anscheinend dagegen ausgesprochen zu haben und hat sich für einen wirklich sortenreinen Spätburgunder entschieden. Das Bukett ist für einen deutschen Rotwein überdurchschnittlich. Fein und ausgewogen kommen der Nase die Gerüche von roten Beeren, besonders von Himbeere und Erdbeere, entgegen und erinnern uns dabei an eine riesige Schüssel an Beeren, die anstelle des Glases vor uns stehen könnte. Besonders erwähnenswert sollte sein, dass diese Gerüche nicht sofort verschwinden. Sie haben einen auffälligen Nachhall in der Nase. Eine überdurchschnittliche Qualität, die auf einer Skala von 1 bis 5 eine 4 erhält.

Wunderbar ausgewogen beim Spätburgunder trocken: Tannine und Aromen von Himbeere und Erdbeere ergänzen sich gegenseitig zu einem Fest der Sinne

Dieser Wein ist für einen deutschen Rotwein spitze. Er ist ausbalanciert und wunderbar samtig weich. Zunge und Gaumen werden von den bereits gerochenen Himbeeren und Erdbeeren umhüllt. Erkennbar ist gleichzeitig die nur leichte und ausgewogene Tanninstruktur, die zeigt, dass hier Winzer mit Feingefühl gearbeitet haben. Denn zu viele Tannine würden dieses leckere fruchtige Aroma zerstören. Minuten nach dem Genuss bleibt dieser beerig-fruchtige Geschmack im Mund und man hat einfach nur Lust noch einen Schluck zu nehmen. Dem Weinkenner ist natürlich klar, dass deutscher Rotwein im Vergleich zu anderen Rotweinen der europäischen Weingiganten wie Frankreich, Italien, Spanien kaum mithalten kann. Dafür fehlt ihm schlichtweg die Sonne. Die deutsche Stärke im internationalen Vergleich sind die Weißweine, besonders der Riesling. Aber der Winzer muss aus den natürlichen Gegebenheiten das Optimum herausholen. Wir alle wollen auch, dass die Weine möglichst auf natürlichen Weg hergestellt werden. Und aus diesem Grund, auch wenn er im internationalen Vergleich sicherlich um einiges geschlagen werden würde, erhält der trockene Spätburgunder des Winzervereins Deidesheims auf einer Skala von 1 bis 5 eine glatte 5. So soll ein deutscher Rotwein schmecken: Fruchtig, leichte und ausgewogene Tanninstruktur mit wunderbaren Abgang.

Fazit

Seien wir ehrlich. Der trockene Spätburgunder 2012 des Winzervereins Deidesheim ist lecker. Er ist auch gerade im Sommer, wenn südeuropäische Rotweine doch ein wenig zu schwer und mächtig daherkommen, ideal. Gerade beim Essen, bei denen gewünscht wird, dass der Wein ein ehrlicher Begleiter ist, der das Essen ergänzt und nicht übertüncht, ist dieser Wein eine Bereicherung. Für ein Barbecue, bei dem auch gerne mit scharfen und würzigen Saucen hantiert wird, ist dieser Wein allerdings fast zu schade. Dann sollten Sie ihn für danach aufheben. Entweder falls Sie noch Käse reichen möchten oder zu netten Beieinandersein. Ebenso ist das Preis-/Leistungs-Verhältnis nahezu unschlagbar. Man könnte auch locker das doppelte verlangen und der Kunde wäre dann noch immer günstig im Geschäft. Den Kauf dieses Weines kann man jedem ans Herz legen.


Bildnachweis: ©Shutterstock – Titelbild: Igor Normann

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg und arbeitete seitdem für verschiedene Medien. Sein Markenzeichen sind seine fränkische Frohnatur, sein Faible für die irdischen Genüsse und seine Liebe zur Technik. Beilhammer schrieb schon früh für technische Fachmagazine und ist seitdem als Freier Autor tätig.

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