Berühmte Weinliebhaber: Johann Wolfgang von Goethe

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Drei Tage lang – vom 27. bis 30. August 2015 – wird aus Anlass seines Geburtstages Goethe in Weimar gefeiert. Das inzwischen traditionelle Goethe-Weinfest in Weimar wartet mit Weinköniginnen und anderen Majestäten auf. Der illustre Auftakt im eigens aufgebauten Weindorf hat inzwischen schon Tradition im Weimar.

Freilich darf man in der Kulturstadt Weimar damit rechnen, dass auch eine Reihe prominenter Persönlichkeiten zu Gast sind, und auf jeden Fall wird der Dichterfürst live-haftig dabei sein. „Solang man trinken kann; läßt sich’s noch glücklich sein.“ Das ist zwar nicht das offizielle Motto des diesjährigen Festes, aber die kulturelle Begegnung mit guten Weinen und dem exzellenten Weinkenner Goethe könnte eine durchaus beglückende Erfahrung werden.

Weinkenner Johann Wolfgang von Goethe

Johann Wolfgang von Goethe war wohl der bekannteste und berühmteste Weinkenner und –liebhaber der sich denken lässt. In fast Hunderten dichterischen Produkten hat er dem Wein gehuldigt und ihn verklärt, ohne seine nüchterne und realistische Position an ihn zu verlieren.

Johann Wolfgang von Goethe kam sehr früh mit dem Wein in „Berührung“. Nach einer schweren Geburt am 28.08.1749, wurde ihm die Herzgrube mit Wein massiert, schreibt der Biograph Richard Friedenthal, andere Quellen berichten, er sei in warmem Wein gebadet wurden, bevor er sein erstes Lebenszeichen von sich gegeben habe.

Auch sein schöpferisches Leben beginnt bereits mit Wein. In seinem Erstlingswerk, einem im Alter von sieben Jahren verfassten lateinischen Gespräch, geht es um das Verhalten im Weinkeller: Licetne tecum ire in cellum vinariam?

Dem kleinen Hans war der Weingenuß bereits aus dem Elternhaus bekannt und geläufig.
Vater Caspar, kaiserlicher Rat in Frankfurt, unterhielt vor der Stadt einen Garten, in dem Wein wuchs. Zwar wurden zwischen den Rebstöcken auch Spargel angebaut, aber es muß sich um ein nicht unbeträchtliches Rebgelände gehandelt haben.

Brief seiner Mutter an Goethe

Aus einem Brief von Mutter Catharina vom 07.01.1794 an ihren Sohn in Weimar, in Bezug auf die Auflösung ihres Hausstandes und die Regelung des väterlichen Nachlasses, erfährt Goethe, welche Weinvorräte im Frankfurter Elternhaus lagern: 5 Stück (Fässer zu je 1200 Litern Fassungsvermögen wurden damals „Stück“ genannt) alte Weine sind vorhanden, 2 Stück von 1706, l Stück von 1719, 2 Stück von 1726, die drei ersten sind die besten.“

In seinen Lebenserinnerungen „Dichtung und Wahrheit“ überschrieben, spricht Goethe den Wein an gut fünfzig verschiedenen Stellen an:

  • die frohe Zeit des Kelterns im Elternhaus
  • wie er als 15-jähriger die Krönung Josephs des II in Frankfurt miterlebt, die aufgestellten Weinbrunnen versucht
  • wie er für seine ersten Gelegenheitsgedichte als Entlohnung einige Weinflaschen erhält, die er gleich mit seinen Freunden verzehrt
  • die besonderen Gastmähler, die er selbst oder die für ihn bereitet worden, deren Weinqualitäten er im Guten wie im Schlechten würdigt.

Nur einmal spricht Goethe auch von Bier und zwar anlässlich seiner Leipziger Studienzeit und im Zusammenhang mit einem verdorbenen Magen.

Johann Wolfgang von Goethe: Wein war ihm bis zum Ende wichtig

Auch die letzten Worte Goethes galten dem Wein. Der Augen- und Ohrenzeuge, Baudirektor Coudray, verbürgt sich für diese letzten Worte, am 22.03.1832 gesprochen: „Du hast mir doch keinen Zucker in den Wein getan?“

Und jetzt soll Goethe selbst über Wein den sprechen:

Aus der Ballade „Der Sänger“:

„Doch darf ich bitten, bitt ich eins, laß mir den schönsten Becher Weins
in purem Golde reichen – Er setzt ihn an, er trank ihn aus
O Trank voll süßer Labe – O wohl dem hochbeglückten Haus
Wo das ist kleine Gabe. – Ergeht’s Euch wohl , so denkt an mich
Und danket Gott so warm als ich – für diesen Trunk Euch danke.“

Aus dem „West-östlichen Divan“ – einem Alterswerk Goethes, zu dem ihn die Werke des persischen Dichters Hafis inspirierten, befeuert durch eine Liebesbeziehung zu der jungen Marianne Willemer:

„Am sichersten kannst du vom Rebstock sagen
Er werde für dich etwas Gutes tragen.“

Und aus dem Anhang dazu:

„Ihr, die ihr Misogyne heißt – der Wein heb eueren großen Geist
Beständig höher – Zwar Wein beschwerte oft den Kopf –
doch der tut so manchem Ehetropf – wohl zehnmal weher.“

Aus Goethes Schenkenbuch, „Saki Nameh“ überschrieben:

„Daß aber der Wein von Ewigkeit sei, daran zweifel ich nicht,
oder daß er von Engeln geschaffen sei, ist vielleicht auch kein
Gedicht. Der Trinkende, wie es auch immer sei –
Blickt Gott frischer ins Angesicht.“

Nicht nur in Balladen und Elegien, auch in seinen Dramen gedenkt Goethe des Weins:

Aus dem „Götz von Berlichingen“:

„Wenn ihr den Wein getrunken habt, sei ihr alles doppelt, was ihr sein sollt. Noch einmal so leicht denkend, noch einmal so unternehmend, noch einmal so schnelle ausführend.“

Auch aus dem „Faust“ möchte ich kurz zitieren, weil eine Passage Aufschluß über Goethes Studien der Weinfachliteratur gibt:

„Verfault ist längst das Holz der Dauben –
Der Weinstein schuf dem Wein ein Faß.“

Diese Episode, die Goethe hier poetisiert hat, wird von Olivier de Serres berichtet, veröffentlicht in „Theatre agriculture“, 1629. Es geht um ein altes Schloß in Laudun, an der südlichen Rhone, Der französische Agrarschriftsteller hatte dort ein altes Faß entdeckt, dessen Holz bereits verfault war, dessen Inneres allerdings vollständig mit Weinsteinkristallen überzogen war, und so noch Wein konserviert hatte.

Dass „Wein und Erotik“ einen Zusammenhang bilden, das übermitteln schon die ältesten Geschichten der Bibel und der Weinliteratur. Goethe hat in diesen Vorstellungen geschwelgt:

„Ohne Wein und ohne Weiber
Hol der Teufel unsere Leiber.“

Die Entstehung des sanft-zarten „Weinherbstliedchen“ wird der Begegnung mit Friederike Brion, der Pfarrerstochter aus Sesenheim zugeschrieben, die Goethe anlässlich seines Straßburger Studienaufenthalts kennenlernte:

„Bald geh ich in die Reben – und herbste Trauben ein.
Umher ist alles Leben – es sprudelt neuer Wein.
Doch in der öden Laube, ach, denk ich, wär sie hier
Ich brächt ihr diese Traube – und sie, was brächt sie mir?“

Der zum Goethe-Kreis zählende Wilhelm Zahn, berichtete über diesen Italien-Aufenthalt Goethes:

„Rom war dem Dichterfürsten überaus teuer. Er kannte darin jedes Gäßchen, jede Winkelschänke, zumal man in letzteren den besten Wein erhält…
>>Kennen Sie auch die Osteria alla Campagna?<< Fragte er, die Weinschänke zur Glocke?
Gewiß. Wir deutschen Künstler haben noch im vorigen Jahre Ihren Geburtstag daselbst gefeiert.
Ist der Falerner noch immer gut?
Vortrefflich..“

„Es ist alles wie zu meiner Zeit“, sagte Goethe und schmunzelte behaglich. Dann fuhr er fort:
„In dieser Osteria hatte ich meinen gewöhnlichen Verkehr. Hier traf ich die Römerin, die mich zu meinen römischen Elegien begeisterte. In Begleitung ihres Oheims kam sie hierher und unter den Augen des guten Mannes verabredeten wir unsere Zusammenkünfte, indem wir den Finger in verschütteten Wein tauchten und die Stunde auf den Tisch schrieben“.

Dass Goethe den Wein nicht etwa nur in Gedichten liebte, ist bekannt. Ein Bericht zu seinen Trinkerqualitäten ist von dem Diplomaten Karl August Varnhagen überliefert, der von einer abendlichen Sitzung Goethes mit dem Herzog von Weimar und dem Prinzen Louis Ferdinand von Preußen erzählt. „Der Herzog hatte sich früh zurückgezogen, aber die andern tranken die ganze Nacht ungeheuer viel um die Wette und Goethe blieb nichts schuldig, er konnte fürchterlich trinken“. In weinfrohem Ruf hatte Goethe schon gestanden, als er sein Engagement als 27-jähriger Hofrat in Weimar begann.

Der Maler Ludwig Grimm lernte Goethe anläßlich eines Mittagessens bei der Bankiersfamilie Brentano in Frankfurt 1815 kennen: „Sein Gesicht war von Tisch, wo der dem Johannisberger Eilfer (Jahrgang 1811) gehörig zugesprochen hatte, ganz rot.“

Diesen „Eilfer“, der als Jahrhundertjahrgang galt, hatte Goethe mindestens im Jahr zuvor bei seiner Sommerreise (Frankfurt, Rheingau, Heidelberg) kennen gelernt, denn in diesem Jahr bereits entsteht sein Lobgedicht auf den Jahrgang.

Dass er sich 1816 einmal betrunken hatte, gibt Goethe selbst zu.

Welche Weine trank Goethe?

Allein nach der Weimarer Ausgabe seiner „Briefe“ bezog er:

1801 – Erlauer, Würzburger, Steinwein
1810 – roten Elsässer, Langedoc
1816 – Würzburger, Elsässer, Wertheimer, Malaga
1820 – Tischwein aus Schweinfurt
1826 – Champagner

Es war also nicht „graue Theorie“, die Goethe in seinem „Faust“ trieb, wenn er in Auerbachs Keller spanische Weine, Champagner, französische Weine und den edlen Tokayer rühmen lässt. Goethe dürfte einer der bedeutendsten Weinkenner seiner Zeit gewesen sein.

Dass sich Goethe die produktiven Kräfte des Weins in seiner Arbeit zunutze machte, gesteht er selbst gerne ein. Ich zitiere aus „Dichtung und Wahrheit“, wo es in seinem 15. Buch heißt: „…ich bei einer Flasche guten Burgunders das ganze Stück, wie es jetzt daliegt, – es handelt sich um sein zweites Drama nach dem Götz, den Clavigo – in einer Sitzung niederschrieb“.

Und eine weiteres Zitat aus dem gleichen Buch: „Gewöhnlich schrieb ich alles zur frühesten Tageszeit; aber auch abends, ja tief in die Nacht, wenn Wein und Geselligkeit die Lebensgeister erhöhten“.

Zu Johann Peter Eckermann äußerte sich Goethe am 11.03.1828:
„Es liegen im Wein allerdings produktiv machende Kräfte sehr bedeutender Art.“ – und er zitierte sich selbst dazu aus dem Divan: „Wenn man getrunken hat, weiß man das Rechte“.

Treffend hat Wilhelm Bode in seinem Buch „Goethes Lebenskunst“ seine Art des Umgangs mit Wein charakterisiert: „Goethe hat den Wein zur Steigerung des Lebensgenusses und zur Würze der Mahlzeiten gebraucht, hat aber niemals seine Freiheit an ihn verloren“:

Briefe an seine Frau: Auch dort ging es häufig um Wein

Im Briefwechsel Goethes mit seiner Frau Christiane ist fast fortwährend die Rede vom Wein. Für seine häusliche Fürsorge galt besonders der Satz aus seinem Brief vom 22.05.1812 an Christiane: „Nach dem Gelde ist wohl der Wein am ersten werth, dass man sein gedenke.“.

Goethes Biograph Georg Henry Lewes berichtet: „Den Wein liebte er sehr, täglich trank er seine zwei bis drei Flaschen – und er zitierte Goethe: „Ich könnte viel glücklicher sein – gäb‘s nur keinen Wein – und keine Weiberthränen“.

Noch im Jahr 1827, fünf Jahre vor seinem Tod, verfasst Goethe eine Schrift über den Weinbau. Diese Schrift ist weniger bekannt, da sie nicht in seine Werkausgaben aufgenommen wurde, sondern – aufgrund der vorwiegend botanischen Ausrichtung – in die Naturwissenschaftlichen Schriften.

Nach Briefen an Heinrich Meyer, vom 06. und 10.08.1828, stürzt sich Goethe noch in hohem Alter mit geradezu jugendlicher Begeisterung in praktische Weinbauversuche. Eckermann gegenüber äußert er am 15.06. 01828: „Fast den ganzen Tag bin ich sodann im Freien, und halte geistige Zwiesprache mit den Ranken der Weinstöcke, die mir gute Gedanken sagen“.


Bildnachweis: © morguefile.com – doctor_bob

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