Prosecco Valdobbiadene: Italienisches Lifestyle- oder Traditionsprodukt?

Valdobbiadene – ein kleiner beschaulicher Alpenvorort im nördlichen Italien ist der Namensgeber für den prosecco di valdobbiadene, dem berühmtesten aller italienischen Schaumweine. Man findet dieses Pendant zum deutschen Sekt in jedem noch so kleinen Supermarkt wie auch im gut sortierten Weinfachhandel. Doch was taugt dieser italienische prickelnde Superstar und Exportschlager und was unterscheidet ihn vom deutschen Sekt? Und kann man getrost zu einer Flasche aus dem Regal bei Aldi oder Lidl greifen?

Die letzte Frage kann getrost mit „ja“ beantwortet werden. Selbst die deutschen Discounter mit ihrem Wein und Sekt für wenig Geld haben mittlerweile einen soliden Qualitätsanspruch bei kleinem Preis. Wer also einen leichten, frischen Prosecco sucht, ist hier nie an verkehrter Stelle. Zu erkennen ist der einfache Vertreter an der Zusatzbezeichnung „frizzante“. Für alle die es deutlich fruchtiger und aromatischer wollen, gilt es ein klein wenig tiefer in die Tasche zu greifen und den Prosecco „spumante“ zu wählen.

Dabei ist der valdobbiadene docg die erste Wahl für hochwertigen Prosecco, Flasche für Flasche. Der Zusatz DOCG steht für einen Wein aus einem bestimmten Anbaugebiet mit kontrollierter und garantierter Qualität. Verglichen mit dem deutschen Sekt, ist der valdobbiadene prosecco ein ebenbürtiger italienischer Vertreter der jeden Test besteht.

Wozu trinken und vor allem wann?

Prosecco ist ein klassischer Aperitif und wird überwiegend als trockener Schaumwein hergestellt. Für das klassische Glas Prosecco bei einem Empfang oder vor dem Essen, sollte man eher zu einem Extra dry greifen. Die sanfte und erfrischende Säure des valdobbiaden prosecco superiore regt die Magenaktivität an und das fruchtige Aroma und die typisch feinen Perlen machen ihn zum absoluten Allrounder für fast jede Gelegenheit. Dabei macht er auch in Mixgetränken wie dem berühmten Aperol Spritz oder in Fruchtbowlen eine super Figur. Will man seinen Partner mit einem erfrischenden Appetitanreger überraschen, reicht meist eine Erdbeere im Glas prickelnden Proseccos.

Und wie war das mit dem Vergleich zu deutschem Sekt?

Solange es sich um einen Prosecco Valdobbiadene spumante handelt, ist er dem deutschen Sekt wahrlich ebenbürtig. Die Unterschiede liegen in der Herkunft und den Traubensorten. Deutscher Sekt wird aus vielen verschiedenen Rebsorten hergestellt oder aus einem Verschnitt von mehreren. Der Prosecco darf per Gesetz nur aus „Glera“ (ehemals „Prosecco“ genannt) hergestellt werden. Ansonsten ist die Herstellung absolut identisch und die weltweit große Nachfrage nach dem italienischen Kultgetränk gibt der italienischen „Leichtigkeit“ recht. Und spätestens beim Valdobbiadene Prosecco superiore docg muss jeder einsehen, dass Qualität auch aus Italien kommt.

Beide werden überwiegend im Tankgärverfahren hergestellt, welches nicht wie weithin angenommen das minderwertige Verfahren darstellt. Ein tankvergorener Sekt oder der prinzipiell im Tank vergorene Prosecco, hat eine feinere Perlage als die in Traditioneller Flaschengärung erzeugten Varianten und punktet mit unglaublicher Frische. Lediglich in Sachen reifer Geschmack und Hefenoten durch lange Flaschengärung liegt der Unterschied. Aber eines ist für den italienischen Lifestyle definitiv typisch und das ist Leichtigkeit und Frische, denn wer trinkt schon einen schweren, hefigen Schaumwein in der italienischen Sonne?


Bildnachweis: ©Shutterstock – Titelbild: davide bonaldo

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg und arbeitete seitdem für verschiedene Medien. Sein Markenzeichen sind seine fränkische Frohnatur, sein Faible für die irdischen Genüsse und seine Liebe zur Technik. Beilhammer schrieb schon früh für technische Fachmagazine und ist seitdem als Freier Autor tätig.

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