Merlot: Teamplayer oder Soloartist?

Das Bordeaux ist der Inbegriff für hochwertigen Rotwein von Weltruhm, seit Robert Parker diese Region in den letzten Jahrzehnten ordentlich gepusht hat. Man findet große Namen wie Pomerol, St. Emilion oder Medoc als Herkunft auf den Etiketten der großen Weine wieder, doch eine Angabe der Rebsorte sucht man vergeblich. Dies liegt am französischen Weinrecht, demnach man keine Rebsorte angeben darf, sondern den Orts-, Großlagen-, oder Gebietsnamen verwenden muss. Viele outen sich damit, dass sie gerne Bordeaux trinken aber nicht alle wissen deswegen, was sie trinken. Der typische Bordeaux besteht aus mindestens einer, meist aber einem Verschnitt der Rebsorten Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Merlot. Letztere ist neben Ersterer die wichtigste Traube für diese großen Weine des Bordeaux. Hier findet man sie sehr häufig als Merlot-Cabernet Verschnitt oder aber auch vom Winzer reinsortig ausgebaut. Auch in Ländern wie Italien, Spanien, Australien, Österreich und Deutschland ist diese Form der Kombination zu finden, doch Merlot als reinsortigen Wein findet man auch sehr oft. Wo liegen nun die Stärken dieser Rebsorte, eher im Team oder als Einzelgänger?

Mehr Kraft als gedacht

Sicher ist der kräftige, aromen- und tanninreiche Cabernet die eher dominierende Rebsorte sowohl im Anbau durch den Winzer als auch im Cuvée. Doch der früh reifende ertragreiche Merlot der auch auf der Flasche schneller reift, muss sich mit seinen Aromen keineswegs verstecken. Werden die richtigen Anbaumethoden angewendet und der Ertrag niedrig gehalten, bringt der Merlot eine tiefdunkle Farbe, mittlere Tanninstruktur und eine einladende Fruchtigkeit ins Glas, welche weltweit viele Liebhaber findet. Ganz besonders gut gedeiht er auf den Kiesböden von Pomerol oder dem Tonkalk von St. Émilion und auf die Berühmtheit dieser Namen muss man eigentlich nicht weiter eingehen.

Ein weiteres Merlot-durchsetztes Weinbauland ist Italien und hier werden nicht minder gute Tropfen kreiert. Das Erfolgsrezept für einen Spitzenmerlot im sonnig-heißen Italien ist der Anbau in höheren Lagen, weg von der Ebene. Hier sind nicht nur die Böden besser, auch die kühleren Nächte tragen zu einem ausgewogenen Tropfen bei. Das A und O ist die Säure und der nicht zu hohe Alkoholgehalt, die in der heißen Ebene angebaut, die Weine sonst alkoholisch und flach wirken lassen. Kühle Nächte sorgen für eine höhere Säurestruktur, was den Wein lebendiger und ausgewogener werden lässt. Es ist also nicht verwunderlich, wenn mancherorts die besten Weine aus Lagen oberhalb von 500m kommen, wo ein Rotweinanbau in Deutschland kaum denkbar wäre.

Cuvee gegen reinsortigen Ausbau

Die Cuvée mit Merlot macht den Wein im Geschmack runder, häufig fruchtiger und erzeugt eine schnellere Reife. So kann man sagen, je höher der Anteil Merlot im Verschnitt, umso kleiner wird die Lagerungsdauer bis zur geschmacklichen Reife. Dem ist aber die Art des Weinausbaus im Holzfass entgegenzusetzen. So kann ein Merlot der gute Tanninauszüge während der Gärung bekam und lange im kleinen Barriquefaß Trocken ausgebaut wurde durchaus 25 Jahre und mehr im Weinkeller zur Reifung liegenbleiben. Solch ein Tropfen misst sich dann problemlos mit den großen Cuvées der Welt und erzielt Preise im dreistelligen Bereich.

Auch als Merlot blanc, dem sogenannten Weißen Merlot, kann ein schöner Wein auf den Tisch kommen. Die aus Merlot und Folle blanche gekreuzte Sorte ist hauptsächlich im Bordeaux zuhause und ergibt einen immer noch beliebten regionalen Weißwein, in dessen Weinbeschreibung Eigenschaften wie fruchtig und frisch auftauchen. Auch in Deutschland hält er bei manchem Winzer auf kleinen Anbauflächen mit einigen Hektar bereits Einzug.


Bildnachweis: ©Shutterstock – Titelbild: Just danc

Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

Leave A Reply