Kerner Kochshow: Was waren die Highlights?

Kochshows sind aus dem Fernsehen nicht mehr wegzudenken. Seit 1953 stürmen sie die Sender und begeistern Millionen von Zuschauern, die voller Enthusiasmus neue Rezepte ausprobieren wollen. Dieses Jahr stand die beliebte Kerner Kochshow sogar live auf der Bühne der Festhalle in Frankfurt.

Kerner Kochshow und Vorreiter

Clemens Wilmenrod startete mit seiner fünfzehn minütigen Sendung „Bitte in zehn Minuten zu Tisch“ die Ära der Kochshow. Fünf Jahre lang hatte er damit ein Monopol inne, bis Kurt Drummer mit seiner Sendung „Der Fernsehkoch empfiehlt“ das DDR-Fernsehen stürmte. Seither gab es immer neue Ideen und Umsetzungen für die beliebten Kochshows.

In den 70er Jahren wurden erstmals Kinder ins ZDF-Studio eingeladen, um in „Lirum, larum, Löffelstiel“ unter Anleitung zu kochen. Somit sollte Kindern die Vielfalt von Essen nahegebracht werden. Mit „Alfredissimo“ entstand durch Alfred Biolek der eigentliche Boom der Talk-Kochshow. Nicht mehr das Essen an sich stand im Vordergrund, sondern das nette Schwätzchen zwischen Koch, Moderator und Publikum. Es wurde geplaudert, gekostet, Weinprobe gehalten und neue und spannende Tipps für die Zuschauer gegeben. Der Wert der Unterhaltung wurde in den Vordergrund gestellt.

Doch das Plauschen allein reichte schon bald nicht mehr aus. Ein Wettstreit sollte mehr Spannung bringen und die Zuschauer auf eine neue Art begeistern. Das „Kochduell“ war der erste Fernseh-Wettstreit, bei dem Team Tomate und Team Paprika gegeneinander antraten. Dabei handelte es sich je um einen Profikoch und einen Laien. Doch nicht nur die Kochshow, sondern auch die Backshow hat sich durchgesetzt. „Das große Backen“ oder „Tortenschlacht“ sind eine beliebte Erweiterung der Kochshow.

Mittlerweile tummeln sich die Kochshows wie Sand am Meer und die Kerner Kochshow zählte eindeutig zu den beliebtesten. Mit einer Zuschauerzahl von 1,9 Millionen stürmte sie die Charts der Freitagabendsendungen. Was aber am meisten angefordert wurde, waren die Rezepte. Über 30.000 Zuschaueranfragen für die Rezepte gingen nach der ersten Sendung beim ZDF ein. Dabei war die Kerner Kochshow eigentlich einem Notfall zuschulden …

Kerner Kochshow: Was waren die Highlights #1

Kerner Kochshow: Was waren die Highlights #1

Die Anfänger der Kerner Kochshow

Johannes Kerner moderierte eigentlich seit 1998 die Talkshow „Johannes B. Kerner“. Im Dezember 2004 sollte George Clooney als Gast erscheinen und über den neuen Film „Ocean’s Twelfe“ erzählen. Doch der arme Clooney musste auf Grund eines Bandscheibenvorfalls absagen. Nun musste innerhalb von zwei Tagen eine neue Idee her. Da schon länger eine Kochshow mit prominenten Köchen geplant war, wurde diese kurzerhand umgesetzt. Not macht eben erfinderisch.

In der ersten Kerner Kochshow waren Tim Mälzer, Johann Lafer, Rainer Sass, Sarah Wiener und Ralf Zacherl vertreten. Gemeinsam kochten sie innerhalb einer Stunde ein 5-Gänge-Menü. Das Besondere an dieser Show? Der altbekannte Satz „Ich hab‘ da mal was vorbereitet“ fiel hier weg. Es wurde nichts vorbereitet, Pannen oder Fehler wurden nicht herausgeschnitten, das Publikum durfte das Essen probieren und ehrlich seine Meinung abgeben. Somit wurde das Kochen realitätsnaher und für die Zuschauer besser nachvollziehbar gemacht. Sie wussten, dass dieses Essen auch wirklich in einer Stunde zubereitet ist, denn nur so lange hatten die Köche Zeit, bevor die Sendezeit um war.

Natürlich gab es auch jede Menge wertvolle Tipps für neue Rezepte. Die Nachfrage von Rezepten und das große Interesse der Fernsehzuschauer waren so groß, dass die Sendung ab da ins Programm genommen wurde. Bis 2008 stand sie weiter unter der Moderation von Johannes Kerner und wurde dann von Markus Lanz übernommen. Der Titel wurde dementsprechend in „Lanz kocht“ umgeändert.

Kerner Kochshow live

Im Januar 2016 kam die beliebte Kochshow mit Johannes Kerner noch einmal live auf die Bühne der Festhalle in Frankfurt, der „gudd Stubb“. Ein neues Kochevent zum Jahresanfang. Das Menü wurde zubereitet von Johann Lafer, Alexander Herrmann, Cornelia Poletto, Nelson Müller, Kolja Kleeberg und Mario Koteska, der kurzfristig für Alfons Schuhbeck einsprang.

Natürlich wurden extra viele Probierschälchen bestellt, damit die zahlreichen Zuschauer das Essen auch testen konnten (natürlich nicht alle). Untermalt wurde die Veranstaltung von musikalischen Einlagen, bei denen Nelson Müller und Kolja Kleeberg die Arena mit „Get down on it“ zum Vibrieren brachten und ein musikalisches Menü zauberten. Außerdem wurde gezaubert, gespielt, experimentiert und das Publikum durfte wie immer auch seinen Teil dazu beitragen. Selbstverständlich durften die Rezept-Tipps erster Sahne von den Profis nicht fehlen und wurden auch großzügig gegeben.

Den rund 6000 Zuschauern wurde in Frankfurt ein Abend voller abwechslungsreicher Ereignisse geboten. Es war wohl Kerners größte Kochshow, bei der er die Party wieder einmal in die Küche holte. Denn in der Küche enden die besten Feten schließlich immer, das ist ein ungeschriebenes Gesetz und wurde hier anstandslos umgesetzt.

Kerner Kochshow: Was waren die Highlights #2

Kerner Kochshow: Was waren die Highlights #2

Das Menü der Kerner Kochshow

Für alle, die neugierig auf das Essen sind, das in der Live-Kochshow zubereitet wurde, hier das 6-Gänge-Menü:

  • Nelson Müller: Brunnenkressesüppchen mit Maultaschen und Zwiebelschmalz
  • Kolja Kleeberg: pochiertes Rotweinei mit Ziegenkäsetapenade
  • Cornelia Poletto: Nordseesteinbutt mit Zitronenrisotto
  • Alexander Herrmann: Karpfen im Temperaturteig
  • Mario Kotaska: geschmorte Kalbshaxe mit Topinambur
  • Johann Lafer: Passionsfrucht- und Chili-Schokomousse im Schokoladennetz mit Zitronensorbet

Wer von der Kochshow immer noch so begeistert ist wie früher, hat auch gleich die Möglichkeit, seit dem Tag der Liveaufführung in Frankfurt das neue Buch „Kocht! Am Herd mit den Besten der Besten“ von Johannes B. Kerner zu erwerben. Auch wenn die Fernsehshow nicht mehr existiert, sie wird wohl so schnell nicht wegzudenken sein.


Bildnachweis: © fotolia Titel: kebox, #1: Clemens Schüßler, #2 gourmecana

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg und arbeitete seitdem für verschiedene Medien. Sein Markenzeichen sind seine fränkische Frohnatur, sein Faible für die irdischen Genüsse und seine Liebe zur Technik. Beilhammer schrieb schon früh für technische Fachmagazine und ist seitdem als Freier Autor tätig.

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