Die Glaubensfrage: Ist amerikanischer Wein eine Alternative?

Amerikanischer Wein ist oftmals wenig bekannt. Und doch: Rund 20 Millionen Hektoliter Wein sind es, die jährlich in den USA hergestellt werden. Eine ansehnliche Menge, die auf den rund 224.000 Hektar Fläche heranreift.

Vorgaben in den USA

Gesetzlich reguliert ist der Weinanbau aber wenig bis gar nicht, allerdings gibt es das AVA-Siegel. AVA steht für American Viticultural Areas und stellt eine Herkunftsbezeichnung dar. Zur Region zählen unter anderem Paso Robles, das Napa-Valley sowie Sonoma Country. Die Weine, die das AVA-Siegel tragen, müssen zu wenigstens 85 Prozent aus den zugehörigen Regionen stammen.

Weitere Bezeichnungen sind „Jug Wine“, mit dem sogenannte Massenweine von größter Einfachheit bezeichnet werden, und „Cooler“ für Weine, die leicht und arm an Alkohol sind.

Vorlieben in den USA

Amerikanische Weinliebhaber setzen vor allem auf den klassischen Chardonnay, auf Sauvignon Blanc sowie auf Chenin Blanc. Allerdings lässt sich feststellen, dass es keinen rein amerikanischen Weinanbau gibt, sondern dass auch deutsche Einflüsse spürbar sind. Riesling und Gewürztraminer werden nämlich auch in den Vereinigten Staaten angebaut.

Einige Chardonnays, die in den USA produziert werden, gehören inzwischen zur Elite, die sich auf der ganzen Welt zu präsentieren weiß. Und das entgegen der Annahme, amerikanische Weine wären nichts wert!

Eine besonders hohe Qualität bieten auch die beliebten Rotweine, zu denen außer Cabernet Sauvignon auch Zinfandel oder Merlot gehören. Rubired und Syrah finden langsam ihren Weg und gehören bereits jetzt zu den Geheimtipps der amerikanischen Weinkenner.

Die folgende Auswahl zeigt die beliebtesten Weine, die aus den USA kommen, wobei sich darunter nur drei Rieslingweine befinden. (#01)

Die folgende Auswahl zeigt die beliebtesten Weine, die aus den USA kommen, wobei sich darunter nur drei Rieslingweine befinden. (#01)

Beliebte Weine aus den USA

Die folgende Auswahl zeigt die beliebtesten Weine, die aus den USA kommen, wobei sich darunter nur drei Rieslingweine befinden. Dabei ist anzumerken, dass die Rieslingfläche auf dem Platz hinter Deutschland rangiert und sogar Australien und Frankreich hinter sich gelassen hat. Damit haben die USA deutlich aufgeholt, dennoch sind die deutschen Rieslingweine immer noch führend.

Genauer ansehen sollten sich Weinkenner die folgenden Weine aus den Vereinigten Staaten:

  • San Andreas
    Pinot Noir
    Hirsch Vineyards, Kalifornien
    Der Rotwein besticht durch seinen herben und kernigen Geschmack, bietet aber nur einen mäßigen Körper. Noten von Rauch und Sauerkirschen verfeinern den Wein, der so rein gar nicht zu den typischen Weinen aus Kalifornien passen will. Tipp: Besser nicht zu viel davon genießen, denn der Wein hat es wirklich in sich!
  • Heritage Red
    Bedrock Wine Co. Kalifornien
    Der Wein basiert auf der Zinfandel Traube und stellt den typisch amerikanischen Wein dar, wie ihn jedes Klischee erwartet. Er ist üppig und süß, bietet dabei aber eine Würze, die schon beinahe exotisch wirkt. Gleichzeitig ist der Heritage Red eher frisch und elegant, bietet eine moderne Note, die dann wieder doch nicht zum Klischee passt. Der Wein, der um 50 Euro kostet, ist in guter Gesellschaft, denn auch seine günstigeren Freunde aus diesem Weinanbaugebiet wissen zu überzeugen.
Genauer ansehen sollten sich Weinkenner die folgenden Weine aus den Vereinigten Staaten. (#02)Genauer ansehen sollten sich Weinkenner die folgenden Weine aus den Vereinigten Staaten. (#02)

Genauer ansehen sollten sich Weinkenner die folgenden Weine aus den Vereinigten Staaten. (#02)

  • Chardonnay „K & U“ Sonderedition
    Au Bon Climat, Kalifornien
    Bei diesem Wein kommen der Geschmack der Trauben, Würze und ein feiner Schmelz auf perfekte Art und Weise zur Geltung, er ist optimal gereift und gilt als bester Begleiter für jedes „gehobene“ Essen. Der Winzer gilt als Altmeister des Chardonnay und legte schon seit jeher größten Wert auf elegante Weine, die jedoch nicht immer den gängigen Weinmoden entsprachen. Auch der Chardonnay ist kein Modewein, weiß aber, mit seinen Eigenschaften zu überzeugen.
  • Metallico Chardonnay
    Morgan, Kalifornien
    Der Metallico basiert auf der noch relativ neuen Herstellungsweise. Die Reifezeit des Weines wird in einem Eichenfass vorgenommen – normalerweise. Bei der Methode, die für den Metallico zum Einsatz kommt, wird das konventionelle Eichenfass durch ein Fass aus Edelstahl ersetzt. Das soll das fruchtige Aroma besonders gut zur Geltung bringen. Die Weine, die dabei herauskommen, sind oft sehr säurebetont und betont schlank, doch der Metallico besticht durch seine Frische, seinen dezenten Schmelz und den zarten Geschmack nach reifer Birne und Zitronat. Der Wein ist zugänglich und das auf höchstem Niveau!
  • Pinot Gris Estate
    Eyrie Vineyard, Oregon
    Endlich ein Wein, der nicht aus Kalifornien kommt. Das tut seiner Qualität aber keinen Abbruch, denn auch in Oregon wissen die Winzer zu überzeugen. Der Wein besticht mit seiner Frische und Lebhaftigkeit, mit seiner Note nach Mandarinen und der Eigenständigkeit, die so rein gar nichts mit der ursprünglichen Süße und dem reichen Körper der originalen Pinot Gris Trauben gemein hat.
Viele Weine aus den USA besitzen einen sehr hohen Gehalt an Alkohol. (#03)

Viele Weine aus den USA besitzen einen sehr hohen Gehalt an Alkohol. (#03)

  • Three Vineyards Riesling
    Chehalem, Oregon
    Noch ein Wein aus Oregon: Der Riesling gedeiht hier in dem eher kühlen Klima einfach perfekt, entwickelt eine leichte Säure, ist dabei frisch und halbtrocken. Wer diesen Wein am Morgen genießt, ist danach sicherlich wach, wobei der unvergorene Traubenzucker, der sich noch als leichte Nuance geschmacklich finden lässt, das trockene Aroma und die Säure durchaus zu bändigen weiß.
  • Kung Fu Girl Riesling
    Charles Smith, Washington State
    Ein weiterer Riesling in unserer Sammlung, wobei dieser zu den erfolgreichsten der USA gehört. Er entstand nach der letzten Jahrhundertwende, ist also ein eher junger Vertreter seiner Art. Er duftet nach weißem Pfirsich und besticht durch seinen fruchtigen Geschmack. Er ist saftig, leicht sauer und spielt mit seinen Nuancen. Wäre der Wein ein Mensch, würde man ihn als schlagfertig bezeichnen, denn eine subtile Vorgehensweise kennt er beileibe nicht!
  • Dry Riesling
    Red Newt Cellars, New York State
    Der Wein ist gewagt, bietet ein ganz neues Geschmackserlebnis und lässt sich mit keinem anderen Wein vergleichen. Er offenbart sich mit einer leicht rauchigen Note sowie einer Nuance von Grapefruit, seine Säure ist schon beinahe als rassig zu bezeichnen. Gleichzeitig erleben Kenner mit ihm eine neue Frische von Kräutern, die in dieser Form bisher kaum zu finden ist. Der Wein kann noch viele Jahre reifen und wird tatsächlich mit jedem Jahr besser. Ein spannender Wein, der sich jedes Mal wieder neu entdecken lässt!
Der Rotwein wird von Kennern gern als leicht ironisch beschrieben, wartet aber mit einem überaus überzeugenden Geschmack auf. ('#04)

Der Rotwein wird von Kennern gern als leicht ironisch beschrieben, wartet aber mit einem überaus überzeugenden Geschmack auf. (‚#04)

  • Le Cigare Volant
    Bonny Doon Vineyard, Kalifornien
    Nun wären wir wieder bei Kalifornien – Weinliebhaber kommen um diesen Bundesstaat einfach nicht längere Zeit herum. Der Cigare Volant basiert auf einem amerikanischen Wein, der schon 1984 angebaut worden ist. Die Trauben stammen aus der Rhône und sind damit typisch französischer Herkunft. Doch der Cigare hat sich immer wieder neu erfunden und so auch in den letzten Jahren einen großen Wandel durchgemacht. Er ist nun deutlich herber im Geschmack, wirkt fast ein wenig kühl. Gleichzeitig bringt er eine leicht erdige Note mit sowie ein Höchstmaß an kräuterlicher Frische. Wer diesen Wein trinkt, fühlt sich ein wenig nach Frankreich versetzt, so typisch ist er im Geschmack. Gleichzeitig ist er originell wie kaum ein anderer und eine wirkliche Empfehlung wert.
  • A Proper Claret
    Bonny Doon, Kalifornien
    Der Rotwein wird von Kennern gern als leicht ironisch beschrieben, wartet aber mit einem überaus überzeugenden Geschmack auf. Der Wein ist voll, wirkt aber gleichzeitig zart und überrascht den Kenner damit, dass er an die Bordeauxweine aus früherer Zeit erinnert. Ein wenig altmodisch wirkt der Wein, dennoch jung, sowohl frisch als auch voll und präsentiert sich damit als Genussmittel der Gegensätze. Die Gerbstoffe, die gern bei den kalifornischen Vertretern des Cabernet Sauvignons auftreten, sind dezent zurückhaltend, auch der Alkoholgehalt ist nicht übermäßig hoch. Ein wirklicher Genusswein!
Viele Weine aus den USA besitzen einen sehr hohen Gehalt an Alkohol. (#05)

Viele Weine aus den USA besitzen einen sehr hohen Gehalt an Alkohol. (#05)

Hoher Alkoholgehalt

Viele Weine aus den USA besitzen einen sehr hohen Gehalt an Alkohol. Das erscheint inzwischen als derart normal, dass es schon beinahe auffällt, wenn ein Wein einmal einen geringeren Gehalt aufweist. Wichtig für den Alkoholgehalt sind die Brix: Dabei handelt es sich um eine Maßeinheit, bei der ein Grad einem Gramm Zucker auf 100 ml entspricht. Brix wird für den gelösten Zucker verwendet, der sich im Saft der Trauben befindet. In Kalifornien beträgt dieser Wert bis zu 28 Brix, durchschnittlich liegt er aber nur bei 22 bis 25.

Der Alkoholgehalt kommt dann auf rund 12,5 bis 13,5 %. Die Brix sind allerdings eher statistische Werte, auf die sich gerade die amerikanischen Weinbauern nur selten verlassen wollen. Für sie zählen auch Geschmack und Optik der Trauben, wobei sich zusammengenommen dann der optimale Erntezeitpunkt ergibt. Sehen die Trauben „gut“ aus, sind sie aber meist schon sehr reif und bringen einen entsprechend hohen Gehalt an Zucker mit. Außerdem trägt das Klima Kaliforniens dazu bei, dass sich der Zuckergehalt in der Traube erhöht und so erklärt sich auch, warum der Alkoholgehalt so hoch ist.


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Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg und arbeitete seitdem für verschiedene Medien. Sein Markenzeichen sind seine fränkische Frohnatur, sein Faible für die irdischen Genüsse und seine Liebe zur Technik. Beilhammer schrieb schon früh für technische Fachmagazine und ist seitdem als Freier Autor tätig.

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