Gewürztraminer

Heißt dieser Wein jetzt „Gewürztraminer“ oder „Roter Traminer“? Die deutsche Weinliteratur verhält sich in dieser Frage gespalten, obwohl „dieser Wein“ völlig eindeutig ist. Das „Taschenbuch der Rebsorten“, das vom Roten Traminer spricht, findet allerdings, dass er „eine typische Sorte der nördlichen Weinbaugebiete“ ist und dass er „zu den qualitativ besten Sorten unserer Heimat“ zählt. Es ist merkwürdig, dass die Frage der Abstammungsverhältnisse bzw. die Frage, ob es sich bei Gewürztraminer und Traminer um zwei Spielarten handelt, die sich ampelographisch unterscheiden lassen, bis heute nicht geklärt ist. Weder das Bundessortenamt noch die Bundesstatistik berichtet von zwei Rebsorten, sondern die Namen werden ggfs. synonym gebraucht. Das Deutsche Weininstitut in Mainz spricht nur allgemein vom „Traminer“, allerdings verbreitet es auch die angenehme Information, dass die Rebsorte sich sacht auf dem Vormarsch befindet, mit 918 ha in 2014 gegenüber 865 ha noch in 2010.

Der Gewürztraminer und die Winzer

Wie es scheint, haben die deutschen Winzer erheblichen Respekt vor der Sorte. Der Gewürztraminer gilt als sehr anspruchsvoll, er braucht viel Wärme und den Schutz vor kalten Winden. Die Böden sollen leicht erwärmbar, tiefgründig und wuchskräftig sein. Außerdem braucht der Gewürztraminer die volle Reife der Trauben, was für eine späte Lese spricht, die immer in unseren Breiten mit Risiken behaftet ist. Ein weiterer Grund für das etwas zögerliche Herangehen der deutschen Winzer scheint der Rebenertrag zu sein, der bei etwa 50 hl pro ha als unzureichend angesehen wird.

Alles was für den Gewürztraminer spricht, scheint angesichts der Ertragserwartungen der Winzer von untergeordneter Bedeutung zu sein. Nach einem Statistik-Portal betrug der durchschnittliche Hektarertrag in den Jahren 2001 bis 2013 zum Beispiel in Rheinhessen100 hl, in Württemberg 99 hl, in der Pfalz 98,5 hl, in Franken und im Rheingau 76 hl, an der Ahr 75 hl – die niedrigste Weinmostmenge wurde in Sachsen mit 44 hl gemessen. Ähnlich problematisch lesen sich nur Weinnachrichten aus Frankreich, das rund 82 hl pro ha produziert, was aber der Zweiteilung des französischen Marktes in einfache Qualitäten und besonders hochwertigen Weinen geschuldet ist. Tatsächlich erzielen die französischen Winzer im Durchschnitt weltweit die höchsten Erlöse. Klarer liegen die Verhältnisse in Italien, wo 58 hl auf den Hektar erzielt werden – und im vergleichbaren Österreich mit 54 hl.

Mit den quantitativ reichen Ernten schaffen deutschen Weinproduzenten sich einen sogenannten Verkäufermarkt (sellers market), in der das Überangebot an billiger Massenqualität den Verkäufer in eine verhandlungstechnisch ungünstigere Situation setzt. In dieser Situation ist es auch schwieriger für gehobene Qualitäten vernünftige Preise zu erzielen.

Vorzüglicher Gewürztraminer – in der Pfalz

In der Pfalz, in Bad Dürkheim und Deidesheim, wird der Beweis angetreten, dass der Gewürztraminer durchaus eine lohnende Investition sein kann, denn dort werden Preise von 12 bis 15 € erzielt. Aber nicht nur für den Winzer ist die Anlage lohnenswert – die Pfälzer stellen erstklassige Traminer-Weine – der Jahrgänge 2012 und 2013 und auch des Problemjahrgangs 2014 – her. Von Bassermann-Jordan in Deidesheim bringt aus 2012 eine edelsüße Auslese – zu 15 € – auf den Markt, die vorzüglich, aromatisch und gehaltvoll ist und den besten Gewächsen im Elsass geschmacklich in nichts nachsteht. Freilich werden im Elsass höhere Alkoholwerte erzielt. Im Vergleich zu österreichischen Gewürztraminern – zum Beispiel aus dem gleichen Jahrgang von Neumeister –Steintal – aus Straden zu 19 € – ergibt sich sogar ein erheblicher Preisvorteil – eine für Konsumenten natürlich erfreuliche Situation eines Verkäufermarkts.

Trinken kann man den Gewürztraminer natürlich ohne alles; er eignet sich immer zu einem Aperitiv – oder einfach so. Aus dem Elsass und den angrenzenden Vogesen ist natürlich der würzige Munsterkäse als Begleiter zum Gewürztraminer bekannt, aber auch die asiatische Küche harmoniert hervorragend mit ihm.


Bildnachweis: © Fotolia – mojolo

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg und arbeitete seitdem für verschiedene Medien. Sein Markenzeichen sind seine fränkische Frohnatur, sein Faible für die irdischen Genüsse und seine Liebe zur Technik. Beilhammer schrieb schon früh für technische Fachmagazine und ist seitdem als Freier Autor tätig.

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