Gau Bischofsheimer Kellersberg 2008, Ortega Trockenbeerenauslese, Erzeugerabfüllung Weingut Becker

Gau Bischofsheimer Kellersberg 2008, Ortega/Trockenbeerenauslese, 8 Volumenprozent, Erzeugerabfüllung des Weinguts Becker

„Ein philosophischer Wein“

Gau Bischofsheimer Kellersberg 2008, Ortega, Qualitätsstufe Trockenbeerenauslese

Gau Bischofsheimer Kellersberg 2008, Ortega, Qualitätsstufe Trockenbeerenauslese

Eigentlich wäre mir eine Probenauswahl mit nicht etikettierten aber nummerierten Flaschen angenehmer gewesen; aber die Umstände des Erwerbs – Geschenk eines Freundes – führten mich auf den Weg der Philosophie. Der Gau Bischofsheimer Kellersberg 2008, Ortega, Qualitätsstufe Trockenbeerenauslese, stammt aus der gleichnamigen Gemeinde und dort von einer Einzellage. Noch immer gilt die Qualifizierung „Einzellage“ als Gutachten für Qualität. Schlägt man auf der Seite der Gemeinde Gau-Bischofsheim nach, findet man den Hinweis auf eine „hervorragende Lage der Weinberge.“ Weitere Quellen berichten, dass die Fürstbischöfe von Mainz von alters her ihre Weinberge dort hatten.

Näheres erfährt man aus der Beschreibung des Kellerbergs: „Ein Nord-West-Hang schützt vor harten Winden, die nach Osten bis Süden ausgerichteten Weinberge mit bis zu 10 % Hangneigung umfassen 30 Hektar. Die Böden bestehen aus Mergel mit Feinsand und tonigem Lehm. Riesling, Weißburgunder, Grauburgunder, Silvaner und Ortega“.

Nach dem „Taschenbuch der Rebsorten“, gehört die Rebsorte Ortega unbedingt nach Gau-Bischofsheim und das abfallende Gelände am Kellersberg. Das dort für die Sorte ausgewiesene potentiell hohe Mostgewicht – regulär 20 Grad über dem Müller-Thurgau – lässt „Ausleseweine immer möglich“ erscheinen.

Das Weingut Becker liefert weitere Informationen: Ein Dessertwein, der durch sein außergewöhnliches reiches fruchtiges Bukett, seine brillant goldgelbe Farbe und seiner opulenten Restsüße besticht. Ein absoluter Traum der auf der internationalen Bühne weltweit immer in der Spitzengruppe zu finden ist. Und dann sind da auch noch diverse hochrangige Auszeichnungen: Goldene Kammerpreismünze 2009, Gold Award AWC Vienna, Gold beim Concours International des Vins a Lyon 2012, Gold bei der Weintrophy Berlin 2012.

Trotz aller vorheriger Bedenken, beginnt die Sache jetzt, nachdem so viele Informationen vorliegen, richtig an Spaß zu machen und spannend zu werden. Ist es dem Winzer gelungen, aus den Vorzügen und Lage und Rebsorte das optimale Ergebnis zu erreichen? Ist die Rebsorte im Wein durchscheinend? Kann man das „Terroir“ schmecken? Ist dem Wein die jahrhundertealte große Weinbautradition der Region abzuspüren, wo doch Rheinhessen als größtes deutschen Weingebiet in dem Ruf steht, Experimentierkammer des deutschen Weinbaus zu sein? Wie sieht der Kompromiss zwischen Tradition und Moderne beim Weingut Becker aus?

Diesen Wein würde ich nicht zum Feierabendvergnügen öffnen oder als Aperitiv oder zum Dessert beim nächsten Essen mit Freunden einsetzen; ich werde ihn nach „allen Regeln der Kunst“ um 11.00 Uhr vormittags mit einem Freund verkosten und damit er unbefangen urteilen kann, eine Pappmanschette über die Flasche ziehen.

Und so geschah es:

Die goldene Farbe der Trockenbeerenauslese des Weingut Becker versinnbildlicht Geschmack und Duft des Weines.

Die goldene Farbe der Trockenbeerenauslese des Weingut Becker versinnbildlicht Geschmack und Duft des Weines.

Farbe: ein beeindruckendes kräftiges Goldgeld mit Orangenuancen.

Bukett: süßlich schwerer Duft von Honig und Zitronen

Geschmack: süß, weich, von likörartiger Fülle, angenehm integrierte dezente Säure, intensiver langer Abgang mit Anklängen an Honig.

Tatsächlich war „goldgelb“ was in die Probengläser floss. Und es ist ein anderes, von der Farbe, Duft und Geschmack zu lesen, und ein anderes die sinnliche Erfahrung davon. Als Aperitiv ist die Ortega-Trockenbeerenauslese genauso geeignet, wie als Begleiterin für einen Frucht- oder Obstsalat oder solo zu Gesprächsthemen, die wir ebenfalls lieben.
Dazu passt, dass die Rebsorte – für die 1971 Sortenschutz angemeldet wurde – nach dem spanischen Philosophen Jose Ortega y Gasset benannt wurde, denn bei diesem Wein kann man ins Philosophieren geraten.

Ein Thema mag dabei sein, die Freude über einen gelungenen Wein im Weltformat, der möglich macht, dass auch in deutschen Weinkellern „Goldpokale“ errungen werden – ein anderes Thema, der Rückgang der Rebsorte Ortega, die den deutschen Winzern immer noch hilft, herausragende Weine relativ unabhängig von Klimawidrigkeiten und schwachen Jahrgängen zu bereiten, und deren Niedergang. Tatsächlich ist die bestockte Ortega-Rebfläche seit den 80er Jahren um mehr als 50 % zurückgegangen auf nunmehr etwas über 500 ha. Wer weiß wie viele fragwürdige Weine weltweit mit Cabernet-Sauvignon und Syrah, mit Sauvignon blanc und Chardonnay – selbst in Frankreich hergestellt werden, kann diese Entwicklung kaum gutheißen. Die Ortega sollte ihren Platz im deutschen Weinsortiment unbedingt erhalten, denn mit ihr können in Qualität und Charakteristik einzigartige Weine produziert werden die Ihresgleichen suchen.

Längst nicht in jedem Jahr findet der Winzer Gelegenheit eine Trockenbeerenauslese zu erzeugen. Der Liebhaber sollte sich deshalb gleich einen kleinen Vorrat zulegen, solange die Beckers noch liefern können. Einen solchen Wein wird man weder bei Edeka oder Rewe, noch bei ALDI, LIDL oder NETTO finden.

Kontakt ist möglich über die Postadresse

Weingut Becker
Dipl.- Ing. FH Marco Becker
Dalbergstraße 7
55120 Mainz-Ebersheim

Tel./Fax: 06136/42270
oder online: Webseite: www.becker-das-weingut.de
Online-Shop der Beckers: www.weinshop-becker.de


Bildnachweis: Titelbild: © Shutterstock/Shebeko; alle anderen © schwarzer.de

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg und arbeitete seitdem für verschiedene Medien. Sein Markenzeichen sind seine fränkische Frohnatur, sein Faible für die irdischen Genüsse und seine Liebe zur Technik. Beilhammer schrieb schon früh für technische Fachmagazine und ist seitdem als Freier Autor tätig.

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