Frühling: Eine herrliche Zeit - nicht nur für Weinliebhaber

„Frühling“ – eine fabelhafte Jahreszeit

„Frühling“ ist ein Wort das viel Bedeutung hat. Für den Weinliebhaber besteht eine besondere Konnotation, denn da meint „Frühling“ gleich mehrere Aktivitäten des Winzers, die für die Qualität des künftigen „Herbstes“ von Bedeutung sind.

Eine Anzahl von Autoren historischer Werke heben in dem Zusammenhang hervor, dass aufgrund der vielfältigen und zahlreichen Aufgaben des Winzerberufs, in den Weinbaugebieten statistisch eine höhere Bevölkerungszahl erreicht wird.

Und tatsächlich: keine andere Pflanze bedarf zu ihrer Kultivierung mehr Aufmerksamkeit und Fleiß –
mit anderen Worten: Arbeitskraft – als der Weinstock, und dies besonders im Frühling.

Der Rebschnitt im Frühling

Schon die erste Winzer-Aktivität, der Rebschnitt, ist mit einer sehr alten Legende belegt und unterstreicht daher ihre Bedeutung. In der alten griechischen Stadt Nauplia soll der Rebschnitt praktisch „erfunden“ worden sein. Es wird berichtet, dass ein Weinbauer einen Esel für die beschwerliche Arbeit eingesetzt hatte, den Dünger auf das Weinfeld zu transportieren.

Das Grautier aber tat sich, immer wenn der Winzer nicht hinschaute, an den frischen, vom Frühling begrünten Triebspitzen gütlich und verzehrte sie nahezu vollständig. Nach erfolgter Düngung bemerkte der Winzer den Schaden und gab seine künftige Ernte verloren. Nach einiger Zeit bemerkte er aber, dass zahlreiche und kräftige junge Triebe ausgeschlagen waren.

Damit sind zwei Frühlingsarbeiten bereits benannt:

  • der Rebschnitt und
  • das Düngen des Weinstocks.

Natürlich ist es mit den Laubarbeiten nach dem erstmaligen Rebschnitt nicht getan. Nach Wachstumsfortschritt sind weitere Umgänge des Winzers erforderlich, etwa bei der Entfernung der sogenannten „Geiztriebe“ (Triebe ohne Traubenansatz) oder das Entfernen von störendem Laub, das die gute Durchlüftung der Weinstocks verhindert. Schließlich werden bei Wachstumsfortschritt die immer weiter sich ausdehnenden Weinruten gekürzt, denn beim Wein handelt es sich um eine ungeheuer triebkräftige Pflanze. Weitere Arbeitsschritte sind mit Blick auf Schädlingsbefall oder Rebkrankheiten erforderlich.

Frühling im Weinberg: Eine schöne, aber auch arbeitsreiche Zeit für jeden Winzer. (#01)

Frühling im Weinberg: Eine schöne, aber auch arbeitsreiche Zeit für jeden Winzer. (#01)

Schatzgräbern im Weinberg

Eine weitere Fabel weist auf eine der wichtigsten Arbeiten hin, die im Frühling beginnen – Georg August Bürger hat die Fabel in Gedichtform gegossen. Es handelt sich um die Episode von den „Schatzgräbern im Weinberg“:

Danach hatte ein Winzer auf dem Sterbebett seinen Kindern das Geheimnis verraten,
dass in seinem Weinberg ein Schatz versteckt sei. Die Kinder machten sich dann auf den Weg,
diesen Schatz unter allen Umständen zu heben und durchgruben den gesamten Weinberg,
allerdings ohne auf Gold oder Edelsteine zu stoßen.

Dass der Weinberg darauf aber die dreifache Menge an Trauben trug,
schien nicht von ungefähr zu kommen.
Zutreffend führten die Weinbergserben den Zuwachs auf ihr fleißiges Graben zurück –
und war die dreifache Ernte nicht auch ein „Schatz“.

Das Graben im Weinberg fördert mehrere Zwecke. Neben der Durchlüftung des Bodens kommt es auch auf eine Auflockerung an. Sie soll das bessere Eindringen des Niederschlags in die Erde begünstigen und ist natürlich während der – statistisch – niederschlagsreichen Frühlingszeit am besten durchzuführen.

Manche Weinfelder fallen durch ihre geschlossene Grasnarbe auf. Es handelt sich dabei vielfach um Felder mit ökologischem Anbau – aber nicht nur: manche Felder sind aufgrund ihrer geographischen Gegebenheiten durch Bodenerosion bedroht, und diese wird durch Begrünung am besten unterdrückt. Diese Felder bieten aber keineswegs eine Arbeitsersparnis, denn Durchlüftung und Aufnahme von Regen muss weiter gewährleistet sein.

Wie alle Fachleute bemerken, sind mindestens acht oder neun regelmäßige Arbeitsepisoden im Verlauf eines Weinjahres erforderlich, die Mehrzahl im Frühling, der den Winzer praktisch in Daueraktivität zeigt.

Nicht für alle Böden und Lagen ist Maschineneinsatz möglich. Deswegen hat eine gute Flasche Qualitätswein auch ihren Preis – von der Neuanlage eines Weinbergs und den vielfältigen Steuern und Abgaben nicht zu reden. Trotz aller Machinationen von Werbung und Marketing, kann man sagen, ob Discounter oder Lebensmittelmarkt: unter drei Euro kann man auch eine geringere Qualität nicht verlangen. Die extremen Billigangebote bilden nicht nur bei der der Milch und dem Fleisch ein Problem. Wer bei Billig- oder Massenwein öfters zugreift, weiss irgendwann nicht mehr, wie guter Wein schmecken muss.

Ab welchen Preis kann man guten Wein erwarten?

Ein Spitzenpolitiker hatte vor einigen Jahren – mit Rücksicht auf sein erwartetes Wählerklientel – eine Untergrenze für ordentliche Qualität von fünf Euro genannt.

Vermutlich meinte er zudem ebenfalls Weine aus Lebensmittelmärkten. Der anspruchsvolle Weinliebhaber sollte sich aber einen Besuch beim Weinfachhandel gönnen. Er trifft dort auf nach Qualität vorsortierte Weine und in aller Regel auf eine ausführliche Beratung. Die meisten Fachhändler bieten auch Weine zur Probe an.


Bildnachweis: © Fotolia  – Titelbild NigelSpiers –  #01 gentelmenit

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg und arbeitete seitdem für verschiedene Medien. Sein Markenzeichen sind seine fränkische Frohnatur, sein Faible für die irdischen Genüsse und seine Liebe zur Technik. Beilhammer schrieb schon früh für technische Fachmagazine und ist seitdem als Freier Autor tätig.

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