Expertentipp: Welcher Wein passt denn zu welchem Käse?

Es ist die Frage aller Fragen auf dem weiten Gebiet der Kulinarik: Welcher Wein passt zu welchem Essen? Und etwas spezieller wie auch schwieriger: Welcher Wein passt zu welchem Käse? Doch ist es wirklich so schwer zu beantworten? Nicht wenn man ein paar kleine Dinge beachtet.

Käse ist ein Milchprodukt und hat neben einem mild-nussigen bis sehr würzigen Aroma auch noch viel Fett und das ist auch gut so. Ein Wein kann leicht bis kräftig in Aroma und Tanninstruktur (Tannine sind Gerbstoffe wie in den Fäden einer Banane) sein, und die Varianten Rotwein, Rosé oder Weißwein machen es nicht einfach. Wo soll man also anfangen?

Alte Vorurteile über Bord werfen

Kraftvoller, tiefdunkler und tanninreicher Rotwein passt am besten zu Käse. Das ist falsch. Solch ein meist junger Rotwein kann so ziemlich jeden Käse erdrücken. Ist er dann noch im Barriquefass ausgebaut, hat selbst ein kräftiger Gruyère Sendepause. Solch typische Vertreter sind häufig nord- oder südamerikanische, australische und südamerikanische Rotweine. Die kräftigen Tannine machen die Zunge regelrecht taub für feine Aromen.

Wie wär’s mit fruchtig-cremigen Weißweinen zu milden Käsesorten wie Gouda, Emmentaler oder Brie? Ein schöner Weißburgunder oder Chardonnay ohne Holzaroma sind wie dafür gemacht. Auch der Ziegenkäse passt hervorragend zu diesen Weißweinen und sollte definitiv nicht mit Rotwein kombiniert werden. Vergessen wir an dieser Stelle nicht den beliebten Rosé mit seinen kräftigen Aromen nach roten Früchten. Gerade ein hochwertiger Emmentaler ist ein toller Gegenspieler zum cremig-vollen Rosewein. Soll es nun ein kräftiger Käse sein, kann man getrost zu kräftigeren Weißweinen, auch welchen mit dezentem Holzaroma greifen. Zu probieren lohnen sich Grauburgunder, alle „blanc de noir“ Weine (Weißwein aus roten Trauben) und Chardonnay mit Holzaroma. Soviel also zur Regel „Zum Käse Rotwein trinken“.

Jetzt aber Roten bitte!

Mal die Karten auf den Tisch gelegt: Rotwein und Käse ist schon eine tolle Kombination, nur sollte man das Käsearoma mehr unterstützen anstatt ihm etwas entgegenzusetzen. Also bitte keinen blutjungen Cabernet Sauvignon Barrique zum Käse. Reife Rotwein der kraftvollen Kategorie, möglichst jene zwischen dessen Jahrgang und dem Tag des Verzehrs wenigstens 5 Jahre liegen sind eine bessere Wahl, gerade wenn es um Gruyère oder Manchego geht. Soll es dann doch ein jüngerer Überseewein sein, dann bitte zum würzigen Franzosen mit Rotkultur oder italienischem Parmesan greifen. Und was ist mit deutschem Spätburgunder, dem Aushängeschild unserer Rotweinkultur? Weißschimmel wie Camembert, alle milden Klassiker aus der Kategorie Hartkäse und mittelreife bis reife Schnittkäse passen sehr gut dazu.

Halbtrocken bis süß – der Edelschimmel muss her

Es geht doch nichts über einen Blauschimmelkäse mit Feigensenf. Und dazu einen süßen Riesling Auslese, was könnte besser passen? Restsüße Weine und Blauschimmel sind wie füreinander geschaffen. Man kann zu französischen Größen wie einem Sauterne, italienischem Vin Santo oder aber zu den deutschen Spezialitäten beginnend bei Auslese über Beerenauslese bis hin zum Eiswein greifen. Dabei gilt: wer dem Käsearoma den Vortritt lassen will, sollte nicht zu süß auswählen, soll eher der Wein unterstützt werden darf es ruhig kräftig süß sein. Wie wäre es mit einem süßen Tawny Portwein oder einem Oloroso Sherry? Bei letzterem seien alle mit „cream“ bezeichneten und der kräftigste Vertreter, der Pedro Ximenez genannt.


Bildnachweis: ©Shutterstock – Titelbild: XXX

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