Das Piemont: eine Weinreise der Superlative

Piemont – allein schon der Klang des Namens lässt an idyllische Täler, sonnenbeschienene Weinhänge, zauberhafte Bergkulissen und malerische Bauerndörfer denken. Berühmt für Wein und Kirschen lockt die nordwestlichste Region Oberitaliens jedes Jahr zahlreiche Besucher an. Trotzdem gibt es gerade hier noch stille Fleckchen, die an frühere Zeiten erinnern, wo Tradition auch heute noch gelebt und das Gute bewahrt wird.

Vom Gletscher bis zum Weinberg

Das Piemont bezaubert durch seine Vielseitigkeit. Eingerahmt von den Alpen an der Grenze nach Frankreich und zur Schweiz erstrecken sich die Weinberge bis in die Tiefebene, die mit Reisfeldern und Bauernhöfen einen einzigartigen Anblick in diesem Teil Europas bildet.

Das Tourismusangebot reicht vom klassischen Wintersport, über Kulturreisen zu zahlreichen Burgen und Schlössern, Badeurlaub am bezaubernden Lago Maggiore bis hin zu stilvollen Weinreisen. Abseits des Massentourismus ziehen gerade hier traditionelle Winzerbetriebe und urtümliche Bauernhöfe Weinkenner und –liebhaber in ihren Bann.

Drei Gebiete, drei Charakter

Das Monferrato ist eine der drei bekannten Weinregionen im Piemont und liegt nur wenige Autominuten von Asti entfernt. Die kleinen Örtchen sind so malerisch, wie man sich Italien nur vorstellen kann. (#1)

Das Monferrato ist eine der drei bekannten Weinregionen im Piemont und liegt nur wenige Autominuten von Asti entfernt. Die kleinen Örtchen sind so malerisch, wie man sich Italien nur vorstellen kann. (#1)

Weinberg ist nicht gleich Weinberg. Im Piemont wetteifern die drei Regionen Langhe, Monferrato und Roero um die Gunst der Weinkenner.

Die Langhe mit ihrer Hauptstadt Alba im Norden befindet sich zwischen den Flüssen Bormida und Tanaro. Schlösser und Burgen fügen sich harmonisch in die Weinberge ein. Das früher arme Land zwischen Asti und Cuneo lässt nur noch erahnen, wie hart das Leben der Bauern im vorherigen Jahrhundert war. Heute produzieren Winzer international begehrte Weine. Insbesondere der geschätzte Barolo und Barbaresco dominieren in den Kellern – edle Tropfen besonderer Güte.

Das Roero ist eng mit der Langhe verbunden. Es grenzt im Norden an die Langhe an, die Grenze bildet der Tanaro. In der Geschichte des Roero spielte der Tanaro eine prägende Rolle. Noch heute zeugen steile Felswände und bizarre Sandsteinformationen vom gewaltigen Einfluss des Wassers auf die Formung der Landschaft. Vielzählige Burgen und Festungen erinnern an die Jahrhunderte langen Kämpfe der kleinen Lehensgüter untereinander, in die das Roero unterteilt war.

Montferrat ist die größte der drei Weinregionen des Piemonts und schließt sich im Osten an die Langhe und Roero an. Die Hügellandschaft reicht vom Po bis zu den Ligurischen Apenninen. Heiße, trockene Sommer und besonders kalte Winter prägen die Weinbaukultur des Montferrats. Die hydrogeologische Beschaffenheit des Bodens prägen die Weine dieser Region: insbesondere die Rotweine und Schaumweine erlangen internationale Anerkennung. Neben dem Weinbau spielt im Montferrat die Kultivierung von Haselnüssen und Trüffeln eine große Rolle. Beide Produkte finden sich in vielen Gerichten der erlesenen Piemonter Gourmetküche.

Die Weine des Piemonts

Barbaresco steht im Piemont für eine vorzügliche Traube ebenso wie für eine kleine Ortschaft etwa 20km von Barolo entfernt.  Die Hügel des Barbaresco liegen im Gegensatz zu jenen des Barolo etwas niedriger und weisen eine andere Bodenbeschaffenheit auf. Der Wein ist dafür weniger wuchtig und sehr viel samtiger. Das hat die Menschen allerdings nicht daran gehindert, den  Barolo vorzuziehen und den Barbaresco zu einem stets unterschätzten Geheimtipp werden zu lassen.  (#2)

Barbaresco steht im Piemont für eine vorzügliche Traube ebenso wie für eine kleine Ortschaft etwa 20km von Barolo entfernt. Die Hügel des Barbaresco liegen im Gegensatz zu jenen des Barolo etwas niedriger und weisen eine andere Bodenbeschaffenheit auf. Der Wein ist dafür weniger wuchtig und sehr viel samtiger. Das hat die Menschen allerdings nicht daran gehindert, den Barolo vorzuziehen und den Barbaresco zu einem stets unterschätzten Geheimtipp werden zu lassen. (#2)

Die bedeutendste Traubensorte des Piemonts ist die Nebbiolo-Traube. Sie zählt zu den Edelreben und ist die wahrscheinlich älteste Rebsorte im Piemont. Weltweit wird sie auf ca. 6.000 Hektar angebaut, knapp 4.000 Hektar der Anbaufläche befinden sich in der Langhe und in Roero. Barbaresco und Barolo gehören zu den bedeutendsten Weinen, die aus der Nebbiolo-Traube gewonnen werden.

  • Barbaresco
    Der Barbaresco ist nach der Region benannt, in der er gekeltert wird. Er verbindet Kraft und Finesse, jedoch üben Kelterung und Ausbau einen starken Einfluss auf das Bukett aus. Der typische Barbaresco hat einen Alkoholgehalt von 12 Prozent. Er reift zwei Jahre, eines davon auf Holz.
  • Barolo
    Der Barolo wird auf mehr als doppelt so viel Fläche wie der Barbaresco erzeugt. Beide Weine sind sich sehr ähnlich, der Barolo hat mit 13 Prozent allerdings einen höheren Alkoholgehalt. Außerdem ist er sehr tanninstark und reift zwei Jahre im Fass und ein Jahr in der Flasche. Das ausdrucksstarke Aroma zeigt der Barolo erst nach Jahren. Dann ist ein Bukett von Rosen, Veilchen, Bitterschokolade, Tabak und Trüffel kennzeichnend.
    Den Barolo gibt es im traditionellen Stil, in großen Fässern erzeugt, und im modernen Stil, in Edelstahltanks reifend und kleinen Fässern reifend, erzeugt. Die modernen Weine sind fruchtiger, nicht so rustikal und dunkeltönig und haben einen weniger strengen Tanningeschmack.
  • Roero
    Der Roero wird in der gleichnamigen Region nördlich des Tanaro angebaut. Dank der kalkhaltigen Sandböden ist der Roero deutlich leichter als seine Verwandten aus der Langhe. Er reift mindestens 20 Monate, davon ein halbes Jahr in Holzfässern. Er hat einen Alkoholgehalt von mindesten 12,5 Prozent, einen fruchtigen Geruch mit einem Hauch Holz und einen vollmundigen, harmonischen Geschmack.

Die Nebbiolo-Traube ist zwar die Premium-Rebe des Piemonts, aber auch andere Trauben haben durchaus ihre Vorzüge und Liebhaber. Nicht zuletzt die Vielfältigkeit macht das Piemont zu einem beliebten Ziel für Weinreisende, da jede Region und jeder Weinberg einzigartige, charakteristische Weine hervorbringt.

  • Dolcetto
    Der Dolcetto ist ein beliebter Alltagswein der Einheimischen. Das samtige Aroma mit einem leichten Mandelton lassen den Dolcetto zu einem idealen Begleiter in der heimischen Küche werden. Die kleinen, süßen Trauben sind bereits im September reif, so dass die Winzer früh mit der Lese beginnen können. Das Anbaugebiet erstreckt sich von den Hügeln um Asti bis nach Ovada im Süden des Piemonts. In Dogliani in der Langhe stehen die ältesten Reben der Dolcetta-Traube. Hier kreieren Winzer in kleinen Holzfässern einen Wein aus der Traube, der ein mehr als vorzügliches Aroma besitzt.
  • Gavi
    Der Gavi ist einer der Weißweine, die sich im Piemont mit den bekannten Rotweinen messen können. Er wird aus der Rebsorte Cortese gewonnen und jung getrunken. Das kleine Anbaugebiet in der Provinz Alessandria verleiht mit seinem besonderen Mineraliengehalt dem Wein ein frisches, säurebetontes Aroma mit einem Hauch von Zitrusfrüchten und Kräutern. Er wird gern in der ligurischen Küche zu Fischgerichten gereicht und wurde so über die Grenzen seines Anbaugebietes hinaus bekannt.
  • Asti Spumante
    Der Schaumwein aus der Moscato-Traube ist der bekannteste Dessertwein Italiens. Durch eine zweite Gärung im Tank erhält der Wein seine Kohlensäure und damit das berühmte sanfte Prickeln. Der Alkoholgehalt liegt bei nur 7,5 Prozent, die feinen Muskataromen sind direkt nach der Versektung am intensivsten. In Italien gehört der Asti Spumante zum traditionellen Weihnachtsgericht panettone, einem Hefekuchen mit Rosinen. Von noch intensiverer Süße ist der Moscato d‘ Asti, ein Premiumprodukt aus besonders sorgfältig ausgewählten Trauben und mit facettenreichen Aromen.

Weinbau hautnah erleben

Eines der vielen pittoresquen Weingüter im Piemont  ist der ideale Ort, Land und Leute persönlich kennenzulernen. (#3)

Eines der vielen pittoresquen Weingüter im Piemont ist der ideale Ort, Land und Leute persönlich kennenzulernen. (#3)

Was passt besser zu einer typischen Weinreise fernab des Massentourismus, als ein Zimmer direkt auf einem der traditionellen Weingüter? Meist etwas abgelegen auf einem Hügel, umgeben von den Weinbergen mit den exakten gradlinigen Rebenreihen, fügen sich die Weingüter malerisch in die Landschaft ein und prägen das Bild des Piemonts.

Der Vorteil, direkt in einem Weingut Domizil zu beziehen, liegt auf der Hand: Als Weinkenner oder Weinliebhaber kommen Sie in direkten Kontakt mit den Winzern, können auch einmal hinter die Kulissen gucken und erleben einen Weinbaubetrieb aus nächster Nähe. Auf den traditionellen Weingütern verbinden sich urtümliche Gemütlichkeit, italienische Gastfreundlichkeit und moderner Komfort zu einem unvergesslichen Ferienerlebnis.

Ob Villa aus dem 17. Jahrhundert oder moderner Gutshof, im Herzen des Piemonts profitieren Sie von der familiären Atmosphäre. Die meist geringe Anzahl an Gästezimmern garantiert eine persönliche Betreuung, ein individuelles Eingehen auf Wünsche und so manches Gespräch bei einem Gläschen von Weinliebhaber zu Weinliebhaber.

Ihr Weingut für die Piemontreise finden Sie bequem über eine der vielen regionalen Vermittlungsseiten oder direkt über die umfangreichen, deutschsprachigen Internetauftritte der Winzer.

Vielseitige Freizeitmöglichkeiten

Die Stadt Saluzzo in der Provinz Cuneo im Piemont ist mit ihrem Castello sehr bekannt. In der Altstadt gibt es zu zweit jedoch noch viel mehr zu entdecken, wie beispielsweise diese Piazza. (#4)

Die Stadt Saluzzo in der Provinz Cuneo im Piemont ist mit ihrem Castello sehr bekannt. In der Altstadt gibt es zu zweit jedoch noch viel mehr zu entdecken, wie beispielsweise diese Piazza. (#4)

Natürlich muss eine Weinreise ins Piemont nicht nur aus stilvollen Weinproben und Besichtigungen der Winzereien und Weinkeller bestehen. Gerade die Vielseitigkeit der nordwestlichsten italienischen Region bietet die Chance, kulinarische Erlebnistouren mit unterschiedlichsten Urlaubsaktivitäten zu verbinden.

  • historische Städte
    • Asti ist die Geburtsstadt des berühmten Spumante, lebt im September von zahlreichen Erntedank- und Weinfesten und veranstaltet den Palio d’Asti, ein traditionsreiches Pferderennen.
    • Alba ist die Hauptstadt der weißen Trüffel, aber nicht nur wegen der spektakulären Trüffelmärkte einen Besuch wert.
    • Cuneo lockt mit seinem gut erhaltenen mittelalterlichen Charme die Gäste an. Neben zahlreichen historischen Gebäuden, die einen Altstadtbummel nicht nur für Geschichtsinteressierte erlebenswert machen, lohnt sich ein Ausflug aufgrund der kulinarischen Spezialitäten: Maronen, Trüffel, Schokolade.
    • Saluzzo gilt als eine der reizvollsten Städte im Piemont. Castello, Stadtturm, Schloss, mittelalterliche Bauten, Monumente und Freskenmalereien verschaffen der Stadt am Fuße des Monviso einen ganz besonderen Charme.
  • Burgen und Schlösser
    Das königliche Haus der Savoy und andere aristokratische Familien hinterließen im Piemont zahlreiche Burgen und Schlösser, die noch heute die Landschaft prägen. Teils restauriert, teils zu Museen ausgebaut und teils noch als Wein- oder Bauerngut in Betrieb, laden viele dieser Bauten zu einem Besuch ein.
  • Radsport, Reiten und Golfen
    Radfahrer kommen im Piemont auf ihre Kosten: Ob Mountainbiker, Rennradler oder Trekkingfan, die grandiose Landschaft bietet für jeden Radfahrer etwas. Wenig befahrene Straßen und atemberaubende Kulissen laden immer wieder aufs Neue zum Radeln ein.
    Der Reitsport hat im Piemont eine lange Tradition. Neben Pinerolo, der Stadt des Reitsports mit ihrer bekannten Reitschule gibt es viele Anbieter für Reitunterricht, Ausflüge zu Pferd oder Wanderritte. Auch beim Agritourismus werden Pferdefans schnell fündig, wenn es um ein entspanntes Erkunden der Landschaft im Sattel geht.
    Mit fast 50 Golfclubs bietet das Piemont auch auf diesem Gebiet hervorragende Möglichkeiten, seiner Passion nachzugehen. Spektakuläre Kulissen und gehobene Küche mit kulinarischen Spezialitäten der Region lassen jedes Golferherz höherschlagen.

Erinnerungen lebendig halten

Auch der schönste Urlaub geht einmal zu Ende. Das letzte Glas Wein auf der von der Abendsonne beschienenen Terrasse ist getrunken, der letzte Rundgang durch die im Frühnebelverhangenen Weinberge ist gemacht. Was bleibt, sind die Erinnerungen und die unvergesslichen Eindrücke dieser facettenreichen Region.

Anmerkung:
Wir haben eine Möglichkeit entdeckt, die fantastischen Weine der Region Piemont auch nach dem Urlaub genießen zu können. In dem Piemont-Wein-Shop Babarolo haben wir einige der Köstlichkeiten aus unserer Reise durchs Piemont wiedergefunden. Die Lieferung war übrigens postwendend da und meine Frau hat mir für die gute Idee mit Babarolos Weinen ein Lächeln zugeworfen.


Bildnachweis: © shutterstock – Titelbild Paolo Bona, #1 Olgysha, #2 pikappa51, #3 Rostislav Glinsky, #4 Rostislav Glinsky

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg und arbeitete seitdem für verschiedene Medien. Sein Markenzeichen sind seine fränkische Frohnatur, sein Faible für die irdischen Genüsse und seine Liebe zur Technik. Beilhammer schrieb schon früh für technische Fachmagazine und ist seitdem als Freier Autor tätig.

One Comment

  1. 1. April 2017

    Hallo Beilhammer,

    Ihr Blog über Piemont hat uns begeistert. Wir haben eine intensive und lange Beziehung zum Piemont, und alles was Sie so interessant beschrieben haben, können wir nur unterstreichen. Eine bessere Werbung für die Region kann man nicht machen!

    Herzlichen Dank auch für die Erwähnung und die netten Worte über unseren online-shop.
    Michael Baur

    Antworten

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