Autochthone Rebsorten in Europa

Autochthone Rebsorten liegen im Trend. Viele Weinliebhaber wissen jedoch nicht, was es mit diesem Begriff auf sich hat. Was bedeutet es, wenn eine Rebsorte autochthon ist und was zeichnet die entsprechenden Weine aus?

Wein: Eines der beliebtesten Getränke

Eine Familienfeier ohne Wein ist für viele Menschen undenkbar. Auch zu einem guten Abendessen gehört ein Gläschen Wein einfach dazu. Das zeigt bereits, wie beliebt dieses Getränk ist.

Die folgende Statistik über den Konsum verschiedener Getränke bestätigt dies.

Der Verbrauch verschiedener Getränke
2012 2013 2014 2015 2016
Wasser 143,4 145,2 148,2 153,4 152,7
Erfrischungsgetränke 125,4 125,5 119,6 118,8 116,3
Bier 107,3 106,6 106,9 105,9 104,0
Fruchtsäfte 33,9 33,0 32,0 33,0 33,0
Wein 20,8 21,1 20,7 20,5 20,6

 

An erster Stelle dieser Auflistung steht selbstverständlich Wasser. Dieses Getränk stellt die Grundlage des Lebens dar und sollte jeden Tag in größeren Mengen getrunken werden. Auch Erfrischungsgetränke und Bier haben in Deutschland einen recht hohen Absatz. Wein steht in dieser Statistik an fünfter Stelle – nur kurz hinter den Fruchtsäften. Verkaufszahlen von über 20 Litern pro Person zeigen aber dennoch, dass sich dieses Getränk einer hohen Beliebtheit erfreut. Wenn man ausschließlich die alkoholischen Getränke betrachtet, steht es sogar an zweiter Stelle.

Der Weinbau hat eine Jahrtausende alte Tradition

Wein hat bereits eine Jahrtausende alte Geschichte. Nur das Wasser, das bereits zu Beginn der Menschheitsgeschichte das wichtigste Getränk darstelle, hat eine noch längere Tradition. Die Ursprünge des Weinbaus gehen auf die Kaukasusregion zurück. Es ist nachgewiesen, dass die Bewohner der Gebiete, die heute in Georgien liegen, bereits vor mehr als 7.000 Jahren wilde Weinreben kultivierten. Auch im Zweistromland sind bereits sehr alte Zeugnisse des Weinbaus erhalten. Von dort aus breitete sich der Weinbau in weite Teile Europas und Nordafrikas aus.

In vielen antiken Hochkulturen spielte der Wein eine bedeutende Rolle für das kulturelle Leben und hatte außerdem eine hohe wirtschaftliche Bedeutung. Dass die alten Römer bei ihren Festen gerne Wein tranken, ist allgemein bekannt. Doch auch im antiken Griechenland und in Ägypten spielte der Weinbau eine wichtige Rolle. In den christlichen Kirchen hat der Wein auch eine religiöse Bedeutung. Das ist jedoch nicht nur in dieser Religion der Fall. Schon vor Jahrtausenden spielte Wein für viele Völker eine große Rolle bei religiösen Ritualen.

Wenn Sie Wein trinken, dann nehmen Sie ein Getränk zu sich, das bereits seit vielen Jahrtausenden stetig weiterentwickelt wurde. Es entstanden vielfältige Zuchtformen, die es der Weinrebe ermöglichten, sich an viele verschiedene Regionen anzupassen. Auch der Geschmack und der Ertrag wurden dabei ständig weiterentwickelt.

Im Laufe dieser langen Geschichte entstand ein breites Spektrum an verschiedenen Rebsorten. Einer der wesentlichen Unterschiede besteht sicherlich darin, ob es sich dabei um eine Rot- oder um eine Weißweinsorte handelt. Doch gibt es auch innerhalb dieser beiden Typen noch unzählige weitere Unterscheidungen.

Im Laufe dieser langen Geschichte entstand ein breites Spektrum an verschiedenen Rebsorten. Einer der wesentlichen Unterschiede besteht sicherlich darin, ob es sich dabei um eine Rot- oder um eine Weißweinsorte handelt. Doch gibt es auch innerhalb dieser beiden Typen noch unzählige weitere Unterscheidungen.(#01)

Die Rebsorte: Entscheidend für den Geschmack

Im Laufe dieser langen Geschichte entstand ein breites Spektrum an verschiedenen Rebsorten. Einer der wesentlichen Unterschiede besteht sicherlich darin, ob es sich dabei um eine Rot- oder um eine Weißweinsorte handelt. Doch gibt es auch innerhalb dieser beiden Typen noch unzählige weitere Unterscheidungen.

Jede Rebsorte hat einen ganz charakteristischen Geschmack und daher einen enormen Einfluss auf das fertige Produkt. Viele Rebsorten sind dabei auf der ganzen Welt verbreitet. Andere Arten kommen hingegen nur regional vor.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die häufigsten Rebsorten der Welt:

Die häufigsten Rebsorten mit ihrer Anbaufläche
Anbaufläche (ha) Rebsorte
440.000 Sultana
308.000 Airén
250.000 Carignan
240.000 Grenache noir
223.000 Trebbiano
200.000 Merlot
200.000 Cabernet Sauvignon
175.000 Chardonnay

 

Dabei ist auffällig, dass die häufigste Sorte – Sultana – kaum für die Weinherstellung zum Einsatz kommt. Hierbei handelt es sich um eine sehr beliebte Tafeltraube. Sie wird in erster Linie in der Türkei, aber auch im Iran, den USA und in vielen weiteren Ländern angebaut. Zwar ist es auch möglich, aus dieser Sorte Wein herzustellen, doch stellt das eine große Ausnahme dar.

An zweiter Stelle steht die Sorte Airén, die in Deutschland relativ unbekannt ist. Das liegt daran, dass sie fast nur in Spanien vorkommt. Dort nimmt sie jedoch einen großen Teil der Anbaufläche ein, sodass sie in dieser Statistik den zweiten Platz einnehmen kann. Auch diese Rebsorte kommt nur relativ selten zur Weinherstellung zum Einsatz.

Früher wies Wein aus Airén-Trauben nur eine mindere Qualität auf. Das lies sich erst durch moderne Herstellungsverfahren ändern. Allerdings stellt diese Traube einen wichtigen Rohstoff für die Branntweinherstellung in Spanien dar. Erst an dritter Stelle steht eine Rebsorte, die in erster Linie der Weinherstellung dient.

Carignan stammt ursprünglich aus Spanien, doch wird diese Sorte mittlerweile in erster Linie in Frankreich angebaut. Der Anbau dieser Rebsorte ist jedoch stark rückläufig. Danach folgen viele weitere Rebsorten, von denen viele auch in Deutschland häufig verkauft werden und die einen wichtigen Bestandteil der Weinkultur darstellen.

Bei spanischen Airén-Weinen handelt es sich daher um autochthone Weine. Allerdings gibt es für diese Rebsorte auch einige Anbauflächen in Marokko. Dort ist sie nicht heimisch, da sie aus Spanien eingeführt wurde. Das bedeutet, dass die gleiche Rebsorte hier nicht autochthon ist.

Bei spanischen Airén-Weinen handelt es sich daher um autochthone Weine. Allerdings gibt es für diese Rebsorte auch einige Anbauflächen in Marokko. Dort ist sie nicht heimisch, da sie aus Spanien eingeführt wurde. Das bedeutet, dass die gleiche Rebsorte hier nicht autochthon ist.(#02)

Was bedeutet es, wenn eine Rebsorte autochthon ist?

In den letzten Jahren gelangte der Begriff „autochthon“ zu einer großen Bedeutung bei der Weinherstellung. Immer mehr Menschen fragen nach autochthonen Weinen. Viele Weinliebhaber wissen dabei aber nicht einmal genau, was dieser Begriff überhaupt bedeutet. Manche Weintrinker gehen davon aus, dass hierbei ein Zusammenhang mit dem Naturschutz besteht. Andere Menschen nehmen an, dass die Bezeichnung autochthon bedeutet, dass die entsprechenden Weine eine besondere Qualität aufweisen.

Beide Annahmen sind jedoch nicht zwangsläufig mit diesem Begriff verbunden. Wenn eine Rebsorte autochthon ist, dann bedeutet das lediglich, dass sie in der entsprechenden Anbauregion einheimisch ist. Das Pflanzmaterial wurde daher nicht aus anderen Ländern oder Regionen eingeführt.

Daran wird auch deutlich, dass der Begriff autochthon nicht allgemeingültig auf eine bestimmte Rebsorte anzuwenden ist. Vielmehr handelt es sich dabei um eine Kombination aus Rebsorte und Anbaugebiet. Das soll am Beispiel der Airén-Rebe verdeutlicht werden. Diese gilt allgemein als autochthon. Das liegt daran, dass sie ursprünglich aus Spanien stammt und bis heute fast ausschließlich dort angebaut wird.

Bei spanischen Airén-Weinen handelt es sich daher um autochthone Weine. Allerdings gibt es für diese Rebsorte auch einige Anbauflächen in Marokko. Dort ist sie nicht heimisch, da sie aus Spanien eingeführt wurde. Das bedeutet, dass die gleiche Rebsorte hier nicht autochthon ist.

Dennoch ist es üblich, von autochthonen Sorten zu sprechen. Damit werden Sorten bezeichnet, die überwiegend oder sogar ausschließlich in ihrem Ursprungsgebiet angebaut werden. Die bereits beschriebene Airén-Rebe ist hierfür ein Beispiel, da beinahe die komplette Produktion im Ursprungsland stattfindet. Andere Reben wie beispielsweise Merlot oder Cabernet Sauvignon haben sich im Gegensatz dazu in alle Welt ausgebreitet. Daher ist die große Mehrheit der entsprechenden Erzeugnisse nicht autochthon. Allerdings kann es auch bei diesen Sorten autochthone Erzeugnisse geben.

Das ist der Fall, wenn sie aus der Gegend um Bordeaux – der Ursprungsregion dieser beiden Sorten – stammen. Nur bei wenigen Rebsorten gibt es überhaupt keine autochthone Variante. Das ist beispielsweise beim Carignan der Fall. Diese Rebsorte stammt ursprünglich aus der spanischen Region Aragón. Mittlerweile wird sie dort jedoch nicht mehr angebaut. Sie kommt in erster Linie in Frankreich vor. Daher ist es nicht möglich, einen autochthonen Carignan-Wein zu kaufen.

Das wird am Beispiel des grünen Veltliners deutlich. Dieser gilt allgemein als ein autochthoner Wein Österreichs. Sein Ursprung liegt jedoch im Burgenland, das bis 1920 zu Ungarn gehörte.

Das wird am Beispiel des grünen Veltliners deutlich. Dieser gilt allgemein als ein autochthoner Wein Österreichs. Sein Ursprung liegt jedoch im Burgenland, das bis 1920 zu Ungarn gehörte.(#03)

Autochthon oder nicht autochthon: Eine Frage der Definition

An dieser Stelle ist es wichtig, zu erwähnen, dass die Definition einer autochthonen Weinsorte nicht einheitlich ist. Hierbei handelt es sich nicht um einen geschützten Begriff, sondern um eine relativ schwammige Bezeichnung. Das beginnt bereits mit der Frage, ob sich dieser Begriff stets auf ein ganzes Land oder nur auf eine bestimmte Region bezieht. Ein Beispiel hierfür ist der Valdiguié, der aus Südwestfrankreich stammt. Dabei handelt es sich um eine nicht klar definierte Region.

Deshalb ist es sehr schwierig, eine Grenze zu ziehen, um zu bestimmen, in welchen Anbaugebieten diese Rebsorte als autochthon gilt. Wenn man hingegen nur das Ursprungsland betrachtet, dann gilt jeder Wein dieser Sorte, der aus Frankreich stammt, als autochthon.

Darüber hinaus gibt es geschichtliche Fragen zu berücksichtigen. Das wird am Beispiel des grünen Veltliners deutlich. Dieser gilt allgemein als ein autochthoner Wein Österreichs. Sein Ursprung liegt jedoch im Burgenland, das bis 1920 zu Ungarn gehörte. Auch in weiteren Regionen Ungarns ist der Anbau verbreitet. Aus diesem Grund ist es strittig, ob diese Rebsorte tatsächlich eine autochthone Sorte Österreichs darstellt.

Schließlich bleibt die Frage zu klären, über welchen Zeitraum hinweg die Sorte in der entsprechenden Region heimisch sein muss. Dieser Begriff stammt eigentlich aus der Biologie. In diesem Bereich ist es deutlich einfacher, zu sagen, aus welchen Regionen eine Tier- oder Pflanzenart stammt und wo sie demnach autochthon ist. Beim Weinbau ist die Verbreitung jedoch durch den Menschen bestimmt. Wie bereits zu Beginn des Artikels beschrieben, stammen die Weintrauben ursprünglich aus dem Kaukasus.

Von dort verbreitete sich das Pflanzmaterial dann in alle Welt. Aus biologischer Sicht ist diese Pflanze daher nur im Kaukasus autochthon. Bei den einzelnen Rebsorten handelt es sich außerdem um menschliche Züchtungen, bei denen eigentlich überhaupt keine natürliche Verbreitung vorhanden ist. Dennoch hat sich im Weinbau eine andere Definition hierfür eingebürgert.

Hierbei geht man davon aus, dass eine autochthone Weinrebe bereits seit mindestens einem Jahrhundert in der entsprechenden Region ansässig ist. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine allgemeingültige Regel, sondern vielmehr um eine stillschweigende Übereinkunft.

Wie bereits geschrieben, ist die Bezeichnung autochthon nicht eindeutig definiert und lässt viel Spielraum für Interpretationen. Dennoch gibt es einige Weinsorten, bei denen diese Bezeichnung üblich ist. Dabei handelt es sich um Sorten, die überwiegend oder ausschließlich in einer klar umgrenzten Region angebaut werden.

Wie bereits geschrieben, ist die Bezeichnung autochthon nicht eindeutig definiert und lässt viel Spielraum für Interpretationen. Dennoch gibt es einige Weinsorten, bei denen diese Bezeichnung üblich ist. Dabei handelt es sich um Sorten, die überwiegend oder ausschließlich in einer klar umgrenzten Region angebaut werden.(#04)

Autochthone Rebsorten in Europa

Wie bereits geschrieben, ist die Bezeichnung autochthon nicht eindeutig definiert und lässt viel Spielraum für Interpretationen. Dennoch gibt es einige Weinsorten, bei denen diese Bezeichnung üblich ist. Dabei handelt es sich um Sorten, die überwiegend oder ausschließlich in einer klar umgrenzten Region angebaut werden. Darüber hinaus stammen die Reben ursprünglich aus dem entsprechenden Gebiet.

Die folgende Liste zeigt einige sehr beliebte autochthone Weinsorten und ihren jeweiligen Ursprung:

Autochthone Weinsorten und ihr Anbaugebiet
Antao Vaz Portugal, Alentejo
Elbling Mosel
Ribolla Gialla Friaul
Frappato Sizilien
Fraueler Südtirol
Callet Spanien
Mavrodaphne Griechenland
Touriga Nacional Portugal
Monica Sardinien
Lagrein Südtirol
Agiorgitiko Griechenland
Airén Spanien
Assyrtiko Griechenland
Grüner Veltliner Österreich
Fernao Pires Portugal
Sagrantino Umbrien
Ansonica Sizilien
Kypreiko Zypern
Monastrell Mittelspanien
Zierfandler Thermenregion (Österreich)

 

Das Spektrum an autochthonen Weinsorten ist sehr groß. Für Weinliebhaber stellt sich jedoch die Frage, was ein derartiges Produkt auszeichnet.

Das Spektrum an autochthonen Weinsorten ist sehr groß. Für Weinliebhaber stellt sich jedoch die Frage, was ein derartiges Produkt auszeichnet.(#05)

Autochthon: Ein Zeichen von besonderer Qualität?

Das Spektrum an autochthonen Weinsorten ist sehr groß. Für Weinliebhaber stellt sich jedoch die Frage, was ein derartiges Produkt auszeichnet. Diese Auszeichnung ist kein Qualitätsmerkmal. Eine autochthone Rebsorte kann gut oder schlecht sein – genau wie jede andere Sorte. Das hängt außerdem immer vom Geschmack des Käufers ab.

Es scheint sogar logisch, dass sich gerade die besten Sorten auch in andere Regionen ausgebreitet haben und daher nicht autochthon sind. Auch ein direkter Zusammenhang mit dem Naturschutz besteht nicht. Es ist lediglich davon auszugehen, dass die autochthonen Sorten besonders gut an die klimatischen Verhältnisse der jeweiligen Anbauregion angepasst sind und deshalb eventuell etwas weniger Pflanzenschutzmittel benötigen.

Doch ist das ebenfalls keine allgemeingültige Regel. Vielmehr stehen autochthone Weinsorte für ein ausgefallenes Geschmackserlebnis, das sich teilweise von den bekannten Rebsorten deutlich unterscheidet. Wer gerne immer wieder etwas Neues ausprobiert, ist daher mit autochthonen Weinsorten sehr gut beraten.


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Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg und arbeitete seitdem für verschiedene Medien. Sein Markenzeichen sind seine fränkische Frohnatur, sein Faible für die irdischen Genüsse und seine Liebe zur Technik. Beilhammer schrieb schon früh für technische Fachmagazine und ist seitdem als Freier Autor tätig.

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